Im Mai 2020 erblickte das erste gemeinsame Kind von Elon Musk und der kanadischen Sängerin Grimes das Licht der Welt. Der Name des Jungen – X Æ A-12 – schlug weltweit hohe Wellen und sorgte für hitzige Diskussionen. Nun, rund ein halbes Jahr nach der Geburt, hat Grimes in einem Interview mit der New York Times verraten, wie sie und Musk ihren Sohn tatsächlich nennen: Sie rufen ihn schlicht „X“.
Der rätselhafte Name X Æ A-12
Die Bekanntgabe des Namens erfolgte über Musks Twitter-Account, wo er stolz verkündete: „X Æ A-12 Musk“. Die Kombination aus Buchstaben, Zeichen und Zahlen ließ sofort die Spekulationen anschwellen. War es ein Insider-Witz? Ein Ausdruck futuristischer Visionen? Oder schlicht eine PR-Aktion? Grimes selbst klärte wenig später auf: Jedes Element des Namens habe eine tiefere Bedeutung. X stehe für die unbekannte Variable in der Mathematik – eine Anspielung auf die unendlichen Möglichkeiten des Lebens. Æ, ein Buchstabe aus dem altenglischen und lateinischen Alphabet, sei ihre elfische Schreibweise für „Ai“, was auf Isländisch „Liebe“ bedeute, aber auch für „Artificial Intelligence“ (künstliche Intelligenz) stehe. A-12 wiederum sei der Vorläufer des SR-17-Flugzeugs, ihrem Lieblingsflugzeug. „Keine Waffen, keine Verteidigung, nur Geschwindigkeit“, erklärte Grimes. „Großartig im Gefecht, aber gewaltfrei.“ Das A stehe zudem für „Archangel“, ihr Lieblingslied.
Die öffentlichen Reaktionen
Die Reaktionen auf Twitter und in den Medien waren gespalten. Viele Nutzer zeigten sich belustigt, andere empört. „Wie kann man einem Kind so etwas antun?“, fragten sich Kritiker. Die Namensgebung schien für viele das perfekte Beispiel für die Exzentrik des Tech-Milliardärs Elon Musk, der auch seine anderen Kinder mit außergewöhnlichen Namen bedacht hat. Allerdings fanden sich auch Stimmen, die den Namen als vorausschauend und originell lobten. In einem Essay auf SPIEGEL Online wurde argumentiert, dass der Name die Werte einer neuen Generation widerspiegele: Transparenz, Technologie und Individualität. Die Diskussion zeigt einmal mehr, wie sehr die Gesellschaft auf ungewöhnliche Namen reagiert – vor allem, wenn prominente Eltern dahinterstehen.
In Kalifornien, wo das Kind geboren wurde, ist der Name X Æ A-12 rechtlich zulässig, da es keine strikten Beschränkungen für die Namenswahl gibt. Anders sieht es in Deutschland aus: Hier müssen Namen das Kindeswohl wahren und dürfen nicht lächerlich machen. Ein Standesbeamter hätte bei X Æ A-12 wohl seine Bedenken angemeldet. Die Debatte um das Namensrecht ist in vielen Ländern ein sensibles Thema, und Prominente wie Musk und Grimes tragen dazu bei, die Grenzen des Erlaubten auszuloten.
Erziehung mit radikaler Kunst
In dem Interview mit der New York Times gab Grimes auch Einblicke in die Erziehung ihres Sohnes. Sie betonte, dass X schon als Baby von verschiedenen Kunstrichtungen umgeben sei – auch von Werken, die eigentlich für Erwachsene gedacht sind. „Wir haben zum Beispiel schon ‚Apocalypse Now‘ und Ähnliches zusammen geschaut“, erzählte die 32-Jährige. Der Filmklassiker von Francis Ford Coppola ist in den USA erst ab 17 Jahren freigegeben. Grimes verteidigte ihre Entscheidung: „Auch Babys haben schon einen Geschmack. Sie mögen manche Dinge und andere nicht.“ X Æ A-12 möge „radikale Kunst“, erklärte sie. Daher halte sie auch nichts davon, ihn nur mit Kuscheltieren und Pastellfarben zu umgeben.
Diese Aussage löste erneut kontroverse Diskussionen aus. Während manche die unkonventionelle Erziehung befürworten, sehen andere darin eine Überforderung des Kindes. Die Entwicklungspsychologie rät in der Regel zu einer altersgerechten Umgebung, die Reize dosiert und schützt. Doch Grimes und Musk vertreten offenbar eine andere Philosophie: Sie wollen ihrem Kind von Anfang an die Welt in all ihrer Komplexität zeigen – ohne künstliche Beschränkungen. Ob dieser Ansatz langfristig gut für die Entwicklung des Kindes ist, bleibt abzuwarten.
Hintergrund: Die Beziehung von Elon Musk und Grimes
Die Beziehung zwischen Elon Musk und Claire Boucher, besser bekannt als Grimes, begann 2018. Die beiden trafen sich angeblich auf der Met Gala, wo sie über eine Kunstinstallation ins Gespräch kamen. Musk, der für seine exzentrischen Ideen und Visionen bekannt ist, fühlte sich offenbar von Grimes' avantgardistischem Stil angezogen. Die Sängerin, die mit elektro-popigen Klängen und futuristischen Texten bekannt wurde, teilt mit Musk eine Faszination für Technologie und Science-Fiction. Die Verbindung schien zunächst überraschend, doch mittlerweile gilt das Paar als eines der ungewöhnlichsten in der Promi-Welt.
Grimes, die mit bürgerlichem Namen Claire Boucher heißt, ist nicht nur Musikerin, sondern auch bildende Künstlerin und Produzentin. Ihre Alben wie „Visions“ und „Art Angels“ wurden von der Kritik gefeiert. Mit Musk verbindet sie offenbar eine ähnliche Ablehnung von Konventionen. In Interviews betonte sie immer wieder, dass sie sich nicht in gesellschaftliche Normen pressen lassen will. Diese Haltung zeigt sich auch in der Erziehung von X Æ A-12.
Weitere Kinder von Elon Musk
Elon Musk ist bereits Vater von fünf Söhnen aus seiner ersten Ehe mit der kanadischen Autorin Justine Wilson. Die Zwillinge Griffin und Xavier kamen 2004 zur Welt, die Drillinge Kai, Saxon und Damian folgten 2006. Auch ihre Namen sind ungewöhnlich, aber im Vergleich zu X Æ A-12 doch eher traditionell. Musk hat sich in der Vergangenheit mehrfach zu seinem Kinderwunsch geäußert. Er bezeichnete die Überbevölkerung als eines der größten Probleme der Menschheit, gleichzeitig plädierte er jedoch für eine höhere Geburtenrate in den Industrienationen. Seine eigene Familie ist ein Spiegelbild dieser Ambivalenz: Einerseits warnt er vor den Folgen des Bevölkerungswachstums, andererseits setzt er alles daran, seine Gene weiterzuvererben – und das auf extravagante Weise.
Die Mutter der Kinder, Justine Wilson, hat in einem Essay über ihre Ehe mit Musk geschrieben und dabei ein Bild von einem fordernden, aber auch liebevollen Vater gezeichnet. Die Kinder wachsen in einer Umgebung auf, die von Wissenschaft und Technologie geprägt ist. Musk selbst hat angedeutet, dass er seine Kinder ermutigt, unkonventionelle Wege zu gehen.
Der Name als Markenzeichen
Der Name X Æ A-12 ist mehr als nur eine Laune – er ist Teil von Musks und Grimes' Selbstinszenierung. In einer Zeit, in der Persönlichkeiten der Öffentlichkeit zunehmend ihre Privatsphäre vermarkten, wird der Babyname zum PR-Instrument. Die Schlagzeilen über X Æ A-12 halfen, die Aufmerksamkeit auf Musks Unternehmen Tesla und SpaceX zu lenken, aber auch auf Grimes' Musik. Die Frage, ob der Name dem Kind schaden könnte, tritt dabei in den Hintergrund. Aus psychologischer Sicht kann ein extrem ungewöhnlicher Name sowohl positive als auch negative Folgen haben: Er kann das Kind zu einer starken Persönlichkeit formen oder aber zu Mobbing führen. Grimes und Musk scheinen darauf zu vertrauen, dass ihr Sohn mit der besonderen Aufmerksamkeit umgehen kann.
Auch in der Popkultur gibt es zahlreiche Beispiele für ungewöhnliche Babynamen: von Apple (Gwyneth Paltrows Tochter) über North West (Kim Kardashians Tochter) bis zu Blue Ivy (Beyoncés Tochter). Diese Namen sind heute etabliert und werden nicht mehr hinterfragt. Vielleicht wird X Æ A-12 in einigen Jahren genauso selbstverständlich klingen wie Blue Ivy – oder aber als Exzentrik in die Geschichte eingehen. Die Zeit wird es zeigen.
Jedenfalls verriet Grimes, dass sie und Musk ihren Sohn derzeit einfach X nennen. Das sei praktisch und liebevoll. X Æ A-12 sei eher der offizielle Name, der die Vision der Eltern widerspiegele. Im Alltag jedoch überwiege die Einfachheit. So wird das kleine Baby also gerufen – X – und wächst in einer Welt auf, die zwischen radikaler Kunst, Elektroautos und Marsmissionen balanciert.
Source: Spiegel News