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Julian Nagelsmann: DFB-Trainer verlässt nach WM-Aus die USA

Jul 01, 2026  Twila Rosenbaum  6 views
Julian Nagelsmann: DFB-Trainer verlässt nach WM-Aus die USA

Es war ein leiser Abgang von einer großen Bühne: Nicht einmal 24 Stunden nach dem völlig überraschenden Ausscheiden im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay hat Bundestrainer Julian Nagelsmann, 38, die Rückreise aus den USA angetreten. Am Flughafen von Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina checkte er laut Medieninformationen am späten Nachmittag (Ortszeit) ein, um mit dem Lufthansa-Flug LH429 zurück nach München zu fliegen. Abflug: 18:40 Uhr Ortszeit.

Begleitet wurde der 38-Jährige demnach von den engsten Vertrauten: Frau Lena Wurzenberger, seiner Mutter Burgi und Co-Trainer Benjamin Glück, der ihn seit Jahren begleitet. Auffällig war sein Outfit - komplett in Schwarz, dazu eine Sonnenbrille und, als einziger Farbtupfer, pinkfarbene Turnschuhe. Seinen Alukoffer mit einer Tasche obendrauf schob Nagelsmann selbst durch das Flughafengebäude.

Musiala und Pavlovic im selben Flieger

Auch die beiden Bayern-Profis Jamal Musiala, 23, und Aleksandar Pavlovic, 22, sollen dem Bericht zufolge an Bord derselben Maschine sein. Torhüter Manuel Neuer, 40, soll dagegen erst am Abend abgereist sein - Ziel von ihm und seiner Familie sei Washington gewesen. Schon in den Stunden zuvor hatte sich das DFB-Quartier nach und nach geleert. Die Mannschaft war laut Medienberichten in der Nacht zum Dienstag um 1:10 Uhr Ortszeit vom Spielort ins Teamhotel "Graylin Estate" in Winston-Salem zurückgekehrt, wo Spieler und Betreuerstab ihre letzte WM-Nacht verbrachten. In München wird Nagelsmann am Mittwochmorgen erwartet.

Julian Nagelsmann lehnt einen Rücktritt ab

Was aus Nagelsmann als DFB-Trainer wird, ist trotz eines Vertrags bis 2028 offen. Der Deutsche Fußball-Bund will die Personalfrage erst nach der Heimreise beantworten. Nagelsmann selbst hat einen freiwilligen Rückzug bereits ausgeschlossen. "Ich bin keiner, der sagt, ich trete zurück, weil wir ausgeschieden sind", sagte er unmittelbar nach Abpfiff in die Mikrofone. "Wenn der DFB möchte, dass ich weitermache, mache ich weiter. Und wenn er das nicht möchte, dann muss man mir das sagen."

Hintergründe zu Nagelsmanns Karriere

Julian Nagelsmann wurde am 23. Juli 1987 in Landsberg am Lech geboren. Seine Trainerkarriere begann er in der Jugend des FC Augsburg und des TSV 1860 München, bevor er 2015 zum TSG 1899 Hoffenheim wechselte. Dort wurde er 2016 mit nur 28 Jahren zum jüngsten Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte. In Hoffenheim führte er die Mannschaft zweimal in die Champions League, was als Sensation galt. 2019 zog es ihn zu RB Leipzig, wo er 2021 das DFB-Pokalfinale erreichte und die Mannschaft zur Vizemeisterschaft führte. Seine nächste Station war der FC Bayern München, wo er 2022 die Meisterschaft holte, jedoch im März 2023 entlassen wurde. Im September 2023 übernahm er dann das Amt des Bundestrainers von Hansi Flick, der nach einer desaströsen WM 2022 in Katar gehen musste.

Nagelsmann galt als große Hoffnung des deutschen Fußballs – jung, innovativ, taktisch versiert. Sein Vertrag läuft bis 2028, was auf langfristiges Vertrauen des DFB hindeutete. Doch die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko endete für Deutschland bereits im Sechzehntelfinale. Die Mannschaft war nach einem Sieg gegen Katar, einem Unentschieden gegen Ecuador und einer Niederlage gegen Uruguay als Gruppenzweiter ins Achtelfinale eingezogen. Dort traf sie auf Paraguay, das zuvor nur den dritten Platz in seiner Gruppe belegt hatte. Niemand rechnete mit einer Niederlage, doch die deutsche Elf zeigte eine schwache Leistung und verlor mit 1:2. Der Ausgleichstreffer der Südamerikaner fiel in der 88. Minute, das Siegtor in der Nachspielzeit. Für die deutsche Öffentlichkeit war das eine riesige Enttäuschung – zumal das Team nach dem Turnier weit unter seinen Möglichkeiten geblieben war.

Analyse des WM-Aus

Fachleute kritisierten vor allem die fehlende Defensivstabilität und die mangelnde Effizienz im Angriff. Julian Nagelsmann hatte in den Jahren zuvor oft taktische Experimente gewagt, die nicht immer aufgingen. In den USA setzte er auf ein 4-2-3-1-System mit Ilkay Gündogan als Spielmacher, doch die Abstimmung zwischen den Spielern funktionierte nicht optimal. Die Verletzung von Jamal Musiala kurz vor der WM warf das Team zurück, auch wenn der Bayern-Star rechtzeitig fit wurde. Alexander Pavlovic, der erst spät in den Kader rutschte, zeigte zwar Engagement, aber keine entscheidenden Akzente. Manuel Neuer, der nach langer Verletzungspause zurückgekehrt war, zeigte seine Klasse, konnte das Ausscheiden aber nicht verhindern. Die Kritik an Nagelsmanns Aufstellung und Taktik war groß. Viele bemängelten, dass er zu sehr an seine Ideen glaube und nicht flexibel genug auf den Gegner reagiere.

Reaktionen und Ausblick

DFB-Präsident Bernd Neuendorf, 64, machte in einem Statement des Verbands deutlich, dass eine schonungslose Aufarbeitung ansteht. Er habe am Vorabend "noch länger" mit Nagelsmann sowie der sportlichen Leitung um Andreas Rettig und Rudi Völler zusammengesessen. "Wir sind uns einig, dass das Abschneiden bei der WM nicht unseren Ansprüchen genügt", so Neuendorf. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der DFB Nagelsmann trotz des Misserfolgs halten will. Die Fans sind gespalten: Eine Umfrage des Fußballmagazins Kicker ergab, dass 52 Prozent für eine sofortige Trennung sind, 48 Prozent für einen Verbleib plädieren. Experten wie Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann rieten dem DFB, nicht voreilig zu handeln, sondern die Analyse abzuwarten. Nagelsmann selbst demonstrierte nach dem Spiel Größe: Er stellte sich den Fragen der Journalisten, lobte die Paraguayer und übernahm die Verantwortung. "Wir haben es einfach nicht geschafft, das umzusetzen, was wir uns vorgenommen haben. Das tut mir sehr leid für die Spieler und die Fans."

Der DFB steht nun vor einer schwierigen Entscheidung. Ein Trainerwechsel wäre teuer, da Nagelsmanns Vertrag bis 2028 läuft und eine Abfindung fällig würde. Zudem wäre die Frage nach einem Nachfolger – mögliche Kandidaten sind Stefan Kuntz, derzeit Trainer der Nationalmannschaft von Ungarn, oder Sandro Wagner, der als U20-Coach gute Arbeit leistet. Aber auch ausländische Trainer wie Jürgen Klopp (derzeit vereinslos nach seinem Abschied bei Liverpool) wurden gehandelt. Allerdings betonte Klopp jüngst, er werde sich eine Auszeit nehmen. Die Zeit drängt: Im September beginnen die Qualifikationsspiele für die EM 2028, die Deutschland austrägt. Ein neuer Trainer müsste frühzeitig eingearbeitet werden. Sollte Nagelsmann bleiben, müsste er das Team neu formieren und aus den Fehlern lernen. Die kommenden Wochen werden also richtungsweisend für den deutschen Fußball sein.

Julian Nagelsmann wird am Mittwochmorgen in München erwartet. Die ersten Gespräche mit DFB-Verantwortlichen werden wohl noch in dieser Woche stattfinden. Bis dahin bleibt die Zukunft des Bundestrainers ungewiss. Eines ist klar: Der leise Abgang aus Charlotte war nur der Auftakt zu einer lauten Debatte über die Zukunft der Nationalmannschaft.


Source: gala.de News


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