Das Summerjam, eines der bedeutendsten Reggae-Festivals Europas, findet in diesem Jahr am Fühlinger See in Köln statt und wartet mit einem besonderen Highlight auf: Der deutsche Reggae-Künstler Gentleman wird dort erstmals live Songs seines neunten Studioalbums ‚Gratitude‘ vorstellen. Das Album, dessen Titel auf Deutsch ‚Dankbarkeit‘ bedeutet, markiert eine Rückkehr zu seinen Wurzeln – zum klassischen Reggae – nach Jahren experimenteller Zusammenarbeit mit Deutschrap, Pop, Soul und türkischem Hip-Hop.
Gentlemans Weg zurück zum Reggae
Gentleman, bürgerlich Tilmann Otto, begann seine Karriere in den 1990er Jahren und feierte 2002 mit dem Song „Intoxication“ seinen internationalen Durchbruch. Der Track, produziert vom jamaikanischen Producer Don Corleon, katapultierte ihn aus der deutschen Reggae-Szene hinaus in die Welt – nach Südamerika, Afrika und Amerika. In den folgenden Jahren veröffentlichte Gentleman erfolgreiche Alben wie „Confidence“ (2004) und „Heart of a Lion“ (2008).
Doch dann schlug er experimentelle Wege ein: Kollaborationen mit Rappern wie Aloe Blacc („I Need a Dollar“) oder dem türkischen Rapper Ezhel und Ausflüge in Richtung Pop und Soul prägten seine jüngeren Werke. Nun, mit „Gratitude“, kehrt er zu seiner Essenz zurück. Die Aufnahmen fanden auf Jamaika, Mallorca und in Miami statt, erneut mit alten Weggefährten wie Don Corleon, der bereits für den Dropleaf-Riddim von „Intoxication“ verantwortlich war. „Wir haben nie den Kontakt verloren“, betont Gentleman im Interview.
Summerjam als Bühne für Live-Premieren
Das Summerjam, das 1985 erstmals stattfand, ist nicht nur das älteste kontinuierlich veranstaltete Reggae-Festival Deutschlands, sondern auch eine Plattform, die Künstlern aus aller Welt eine Stimme gibt. In diesem Jahr wird das Festival drei Tage lang rund 30.000 Besucher an den Fühlinger See locken. Neben Gentleman stehen Acts wie Protoje, Chronixx und die legendären Mighty Diamonds auf dem Programm. Für Gentleman ist der Auftritt ein „Full-Circle-Moment“ – hier, wo er vor Jahrzehnten selbst als Zuschauer stand, präsentiert er nun sein persönlichstes Album.
Die neuen Songs von „Gratitude“ sollen eine Hommage an seine fast 30-jährige Karriere darstellen. Titel wie „Thank You“, „Roots“ und „Family“ deuten den thematischen Schwerpunkt an: Dankbarkeit für die Fans, die Familie und die Musik selbst. „Es geht darum, den Moment zu schätzen und zurückzublicken, ohne sich zu verlieren“, so der Sänger. Auf der Bühne wird er begleitet von seiner langjährigen Band, den Far East Band, sowie einigen Überraschungsgästen.
Jorja Smith und Wizkid: „Alive“
Parallel zu den Neuigkeiten aus der Reggae-Welt sorgt die britische R’n’B-Sängerin Jorja Smith für Aufsehen. Gemeinsam mit dem nigerianischen Afrobeats-Superstar Wizkid veröffentlichte sie die Single „Alive“. Der Song verbindet samtige R’n’B-Vocals mit schwerelosen Afrobeats-Rhythmen und einer pulsierenden Amapiano-Bassline – ein treibender, aber dennoch entspannter Track.
„Alive“ ist die zweite Vorabsingle aus Smiths drittem Studioalbum „What Are The Odds“, das am 21. August 2024 erscheinen soll. Die erste Single „What’s Done Is Done“ war noch von UK-Garage und Club-Sounds geprägt, während der neue Song die genreübergreifende Vielseitigkeit der Künstlerin unterstreicht. Jorja Smith, zweifache Gewinnerin des Brit Award, ist derzeit auf Tour und spielt unter anderem in Paris, wo sie möglicherweise erste Live-Versionen der neuen Songs präsentiert. Die Zusammenarbeit mit Wizkid, einem der erfolgreichsten Afrobeats-Künstler, wird als wegweisender Crossover gefeiert.
Hintergrund: Die Entwicklung der afrikanischen Musik im globalen Mainstream
Die Kollaboration zwischen Jorja Smith und Wizkid ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines seit Jahren anhaltenden Trends: Afrobeats, Amapiano und andere afrikanische Stile haben den globalen Pop-Markt erobert. Künstler wie Burna Boy, Davido und Wizkid selbst füllen Arenen auf der ganzen Welt, während westliche Stars immer häufiger mit ihnen zusammenarbeiten. Jorja Smith, die bereits 2018 mit Drake auf „Get It Together“ zu hören war, setzt diesen Trend konsequent fort. „Alive“ könnte der Soundtrack des Sommers werden – nicht nur wegen seiner eingängigen Melodie, sondern auch wegen seiner kulturellen Bedeutung.
Der Text des Songs handelt von Überleben und Lebensfreude trotz aller Widrigkeiten. „We‘re alive, we‘re free, we‘re dancing in the rain“, singt Smith im Refrain. Die Produktion, die Elemente aus Nigeria, Südafrika und dem Vereinigten Königreich vereint, ist ein Paradebeispiel für die globalisierte Musiklandschaft des 21. Jahrhunderts.
Ausblick auf das restliche Festival-Jahr
Neben dem Summerjam stehen in den kommenden Monaten weitere große Festivals an: das „Rock am Ring“ mit Acts wie Foo Fighters, das „Lollapalooza“ in Berlin und das „Open Air St. Gallen“ in der Schweiz. Für Reggae-Fans bietet das „Jamaica Day Festival“ im August eine Alternative. Doch der absolute Höhepunkt für Anhänger des Summerjams bleibt der Auftritt von Gentleman – ein Künstler, der nach drei Jahrzehnten immer noch relevant ist und sein Publikum mit neuer, alter Leidenschaft begeistert.
Wer das Festival nicht besuchen kann, wird die neuen Songs des Albums voraussichtlich im Herbst in den Charts hören. „Gratitude“ erscheint offiziell im September 2024 über dem Label von Diplo, Mad Decent, und wird von einer Europatournee begleitet. Wer also keine Eintrittskarte für das Summerjam ergattern konnte, hat bald eine zweite Chance, Gentleman live zu erleben.
Source: Www1 News