Der ehemalige Fußballstar Dani Alves ist wieder ein freier Mann. Ein Berufungsgericht in Barcelona hob am Freitag seine viereinhalbjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung auf. Die Richter begründeten ihre Entscheidung mit erheblichen Mängeln und Widersprüchen im ursprünglichen Urteil. Der Fall, der internationale Schlagzeilen gemacht hatte, nimmt damit eine überraschende Wende.
Der Fall im Überblick
Dani Alves, der zu den erfolgreichsten Fußballern seiner Generation zählt, war im Februar 2024 von einem Gericht in Barcelona für schuldig befunden worden, im Dezember 2022 eine Frau in einem Nachtclub in der katalanischen Metropole vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine neunjährige Haftstrafe gefordert, das Gericht verurteilte Alves zu viereinhalb Jahren Gefängnis, fünf Jahren Bewährung und einer Entschädigungszahlung von 150.000 Euro an das mutmaßliche Opfer.
Der 41-jährige Brasilianer beteuerte stets seine Unschuld und argumentierte, der Sex sei einvernehmlich gewesen. Seine Verteidigung legte umgehend Berufung gegen das Urteil ein. Bereits im März 2024 wurde Alves gegen eine Kaution von einer Million Euro vorläufig aus der Haft entlassen, was in der Öffentlichkeit auf heftige Kritik stieß. Viele sahen darin eine Bevorzugung des Prominenten.
Die Entscheidung des Berufungsgerichts
Das Berufungsgericht in Barcelona gab nun dem Einspruch der Verteidigung statt und wies den Einspruch der Staatsanwaltschaft zurück, die eine Erhöhung der Strafe auf neun Jahre gefordert hatte. In der schriftlichen Urteilsbegründung heißt es, das erstinstanzliche Urteil habe „eine Reihe von Versäumnissen, Ungenauigkeiten, Ungereimtheiten und Widersprüchen“ aufgewiesen. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass die Beweislage nicht ausreichend sei, um eine Verurteilung jenseits vernünftiger Zweifel zu rechtfertigen.
Das Gericht betonte, dass die Glaubwürdigkeit des Opfers und die Aussagen der Zeugen nicht ausreichten, um die Schuld von Alves zu belegen. Zudem seien wesentliche Verfahrensfehler unterlaufen. Die Freilassung des Angeklagten sei daher die einzig richtige Konsequenz. Alves selbst zeigte sich erleichtert, wie sein Anwalt mitteilte. Er wolle nun sein Leben neu ordnen und plane eine Rückkehr nach Brasilien.
Reaktionen auf das Urteil
Die Entscheidung des Berufungsgerichts sorgte für geteilte Reaktionen. Während Alves' Unterstützer feierten, kritisierten Frauenrechtsorganisationen und das mutmaßliche Opfer die Aufhebung des Urteils scharf. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sie vor den Obersten Gerichtshof Spaniens ziehen wird. Der Fall könnte noch Monate oder Jahre andauern. Das Opfer erklärte über ihre Anwältin, sie sei „zutiefst enttäuscht“ und fühle sich erneut zum Opfer gemacht.
In den sozialen Medien tobte eine hitzige Debatte über Gerechtigkeit, Prominentenbonus und die Glaubwürdigkeit von Vergewaltigungsopfern. Viele fragten sich, ob das Justizsystem in Spanien bei prominenten Angeklagten anders funktioniere. Das Berufungsgericht wies solche Vorwürfe zurück und betonte, die Entscheidung sei rein rechtlich und unabhängig getroffen worden.
Die Karriere von Dani Alves
Dani Alves, geboren am 6. Mai 1983 in Juazeiro, Brasilien, gilt als einer der besten Außenverteidiger der Fußballgeschichte. Seine Karriere begann bei EC Bahia, bevor er 2003 zum FC Sevilla wechselte. Mit Sevilla gewann er den UEFA-Pokal und den spanischen Pokal. 2008 wechselte er für eine damals hohe Ablösesumme von rund 35 Millionen Euro zum FC Barcelona, wo er seine größten Erfolge feierte.
Mit Barcelona gewann Alves sechs spanische Meisterschaften, vier Champions-League-Titel, drei Klub-Weltmeisterschaften und zahlreiche weitere Trophäen. Seine dynamische Spielweise, sein unermüdlicher Einsatz und seine Flankenläufe machten ihn zu einer Legende. Nach einem kurzen Intermezzo bei Juventus Turin und Paris Saint-Germain kehrte er 2021 noch einmal zu Barcelona zurück, bevor er 2022 nach Brasilien zu São Paulo FC wechselte.
Alves absolvierte 126 Länderspiele für Brasilien und gewann 2019 die Copa América. Er war der einzige Spieler, der in gleich drei Jahrzehnten (2000er, 2010er, 2020er) Champions-League-Sieger wurde. Doch sein privater Abstieg begann mit den Vergewaltigungsvorwürfen im Dezember 2022, die seine Karriere abrupt beendeten. Seitdem lebte er im Schatten des Skandals.
Der juristische Hintergrund
Vergewaltigungsfälle in Spanien werden seit einer Gesetzesreform von 2022 neu bewertet. Das sogenannte „Nur-Ja-heißt-Ja“-Gesetz stellte klar, dass sexuelle Handlungen nur dann straffrei sind, wenn die Zustimmung ausdrücklich und eindeutig erfolgt. Im Fall Alves war die Frage der Einwilligung zentral. Das Opfer gab an, von Alves in der Toilette des Nachtclubs gegen ihren Willen zum Sex gezwungen worden zu sein. Alves hingegen behauptete, die Frau habe von Anfang an eingewilligt.
Das Berufungsgericht sah diese Aussage nicht als ausreichend belegt an. Es monierte unter anderem, dass das erstinstanzliche Gericht die Beweise selektiv gewürdigt und widersprüchliche Aussagen nicht ausreichend berücksichtigt habe. Zudem seien DNA-Spuren und die zeitlichen Abläufe nicht schlüssig gewesen. Die Entscheidung ist ein Beispiel für die schwierige Abwägung zwischen dem Schutz von Opfern und dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“.
Ausblick
Der Fall Dani Alves ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft kann Revision einlegen, und der Oberste Gerichtshof müsste dann erneut prüfen. Sollte auch dieses Gericht die Verurteilung aufheben, wäre Alves endgültig entlastet. Andernfalls könnte er zu einer erneuten Verhandlung gezwungen werden. Der einstige Star will nach Brasilien zurückkehren, wo er noch immer viele Fans hat. Allerdings bleibt sein Image nachhaltig beschädigt, unabhängig vom juristischen Ausgang.
Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die spanische Justiz und ihre Handhabung von Sexualdelikten. Kritiker fordern mehr Sensibilität und eine bessere Ausbildung der Richter, während Befürworter der Entscheidung auf die Unabhängigkeit der Justiz pochen. Dani Alves selbst plant, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und sich wohltätigen Projekten in seiner Heimat zu widmen. Ob ihm das gelingt, wird die Zeit zeigen.
Source: Blick News