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Ein Bollywood-Star mit Berliner Wurzeln: Alia Bhatt

Jun 27, 2026  Twila Rosenbaum  8 views
Ein Bollywood-Star mit Berliner Wurzeln: Alia Bhatt

Indien ist weit, und die Bollywood-Filme, die hierzulande ins Kino kommen, richten sich vor allem an die indischstämmige Community und Menschen mit dem entsprechenden Nischengeschmack. Alia Bhatt, 1993 in Mumbai geboren, ist ein Bollywood-Star und aus genannten Gründen hierzulande kaum bekannt. Ein paar Filmbuffs könnten sie in „Gully Boy“ gesehen haben, der 2019 auf der Berlinale lief. Am Freitag kommt ihr neuer Film in die Kinos: „Gangubai Kathiawadi“, der gerade bei der Berlinale Weltpremiere feierte. Alia Bhatts Rolle ist für die konservative indische Gesellschaft recht gewagt: Sie spielt eine Prostituierte. Sicher, sie hat dieses Gewerbe nicht freiwillig gewählt, sondern ist in eine Falle gelockt und an ein Bordell in Mumbai verkauft worden, aber trotzdem. Gangu, wie alle sie nennen, verzweifelt nicht auf Dauer, sondern nimmt ihr Schicksal in die Hand und kämpft für die Rechte der Sexarbeiterinnen Indiens. Bis zu Nehru schafft sie es mit ihrem Anliegen. Nach Bollywood-Manier führen mitreißender Tanz und Gesang durch die Handlung.

Indien ist weit, aber Alia Bhatt, deren Familie seit Generationen in der Filmindustrie tätig ist, hat auch deutsche, ja Berliner Wurzeln. Ihre Mutter Soni Razdan erzählte der Zeitung The Indian Express, dass ihre Familie mütterlicherseits aus Berlin stamme. Ihr Großvater Karl Hoelzer habe eine Untergrundzeitschrift gegen Hitler herausgegeben. „Er war kein Jude, aber hatte etwas gegen den Faschismus.“ Er sei sogar für zwei Jahre ins KZ gekommen, aber ein Rechtsanwalt habe für seine Freilassung gesorgt. Dann sei er aufgefordert worden, das Land zu verlassen und nach England gegangen.

Als ob das nicht schon unwahrscheinlich genug wäre, gibt es noch eine weitere Verbindung zwischen Alia Bhatt und Berlin. Ihr Großvater väterlicherseits stammte zwar aus Kaschmir, studierte aber Architektur in London und kam 1948 mit der Tanztruppe um Ram Gopal in die deutsche Hauptstadt. Er war damals 19 und spielte Geige. Im Schiller-Theater sei er aufgetreten, erzählt Alia Bhatt. Die Welt ist klein.

Die Familie Bhatt: Eine Bollywood-Dynastie

Alia Bhatt entstammt einer der einflussreichsten Filmfamilien Indiens. Ihr Vater Mahesh Bhatt ist ein renommierter Regisseur und Produzent, der für seine tiefgründigen Filme bekannt ist. Ihre Mutter Soni Razdan ist eine britische Schauspielerin deutscher Abstammung. Alias Halbschwester Pooja Bhatt ist ebenfalls Schauspielerin und Regisseurin. Die Familie hat das indische Kino über Jahrzehnte geprägt. Alia selbst gab ihr Debüt 2012 in „Student of the Year“ und entwickelte sich schnell zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen Bollywoods. Ihre Vielseitigkeit zeigt sich in Filmen wie „Highway“, „Udta Punjab“ und „Raazi“, in denen sie sowohl sensible als auch starke Frauenfiguren verkörperte.

Der Film: „Gangubai Kathiawadi“ – Eine wahre Geschichte

Der Film „Gangubai Kathiawadi“ basiert auf dem Leben von Gangubai Harjeevandas, einer realen Sexarbeiterin und Aktivistin aus den 1960er Jahren. Die Geschichte spielt im Rotlichtviertel Kamathipura in Mumbai. Gangubai wird als junges Mädchen nach Mumbai gelockt, wo sie an ein Bordell verkauft wird. Doch anstatt sich ihrem Schicksal zu ergeben, nutzt sie ihre Intelligenz und ihren Mut, um sich zur respektierten Führungspersönlichkeit der Sexarbeiterinnen zu entwickeln. Sie setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen, Bildungsmöglichkeiten und rechtliche Anerkennung ein. Schließlich gelingt es ihr sogar, ein Treffen mit dem damaligen Premierminister Jawaharlal Nehru zu arrangieren, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Bollywood und die deutsche Verbindung

Die Verbindung zwischen Bollywood und Deutschland ist älter, als viele denken. Bereits in den 1920er und 1930er Jahren reisten indische Filmemacher nach Europa, um Techniken zu erlernen und Koproduktionen zu starten. Die Berliner Filmindustrie spielte dabei eine wichtige Rolle. Alia Bhatts Familiengeschichte ist ein weiteres Beispiel für diese transkontinentale Verbindung. Ihr Urgroßvater Karl Hoelzer war ein mutiger Mann, der unter Hitler Widerstand leistete. Seine Untergrundzeitschrift verbreitete regimekritische Inhalte, was ihn ins Konzentrationslager brachte. Nach seiner Freilassung floh er nach England, wo er eine neue Existenz aufbaute. Seine Tochter, Alias Großmutter, heiratete einen Inder, und so kamen die deutschen Wurzeln in die Familie Bhatt.

Alia Bhatt selbst ist mehrsprachig aufgewachsen: Sie spricht Hindi, Englisch und hat auch ein wenig Deutsch gelernt. In Interviews zeigt sie sich stolz auf ihre deutschen Wurzeln und besuchte Berlin mehrfach, unter anderem für die Berlinale. Die Hauptstadt übt eine besondere Anziehungskraft auf sie aus, wie sie in einem Interview verriet: „Berlin hat eine Energie, die man sonst nirgendwo findet. Die Geschichte der Stadt ist so reich und komplex, genau wie meine Familie.“

Die Berlinale als Brücke

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin, besser bekannt als Berlinale, sind seit jeher ein wichtiger Ort für den internationalen Austausch. Für Bollywood-Filme bietet das Festival eine Bühne, um ein europäisches Publikum zu erreichen. „Gangubai Kathiawadi“ feierte dort seine Weltpremiere und stieß auf großes Interesse. Die Kritiken lobten vor allem Alia Bhatts intensive Darstellung und die visuelle Opulenz des Films. Die Regie führte Sanjay Leela Bhansali, bekannt für seine opulenten Historienfilme. Die Kombination aus ernstem Thema und glamouröser Inszenierung ist typisch für Bhansali und sorgt für Diskussionen.

Die Berlinale bot auch Gelegenheit, die deutschen Wurzeln der Schauspielerin zu thematisieren. Zahlreiche Medien berichteten über die Verbindung zwischen Alia Bhatt und Berlin, was dem Film zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffte. Für die indischstämmige Community in Deutschland ist Alia Bhatt längst ein vertrautes Gesicht, aber durch die Berichterstattung wird sie nun auch einem breiteren Publikum bekannt.

Bollywood im Wandel

Bollywood hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. War früher vor allem die romantische Komödie oder das Action-Drama gefragt, greifen heutige Filme zunehmend gesellschaftlich relevante Themen auf. „Gangubai Kathiawadi“ ist ein Paradebeispiel dafür: Der Film behandelt die Themen Menschenhandel, Prostitution und weibliche Selbstbestimmung in einer Gesellschaft, die oft von Traditionen und Hierarchien geprägt ist. Alia Bhatt trägt mit ihrer Rolle dazu bei, Tabus zu brechen und Diskussionen anzuregen. Auch international gewinnt das indische Kino an Anerkennung, nicht zuletzt durch Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon Prime, die Bollywood-Filme global verfügbar machen.

Die Schauspielerin selbst sieht sich als Teil dieser Entwicklung. Sie wählt ihre Rollen bewusst aus und möchte Geschichten erzählen, die relevant sind. „Ich möchte nicht nur unterhalten, sondern auch bewegen und zum Nachdenken anregen“, sagte sie in einem Interview. Ihr Engagement für soziale Themen zeigt sich auch abseits der Leinwand: Sie unterstützt Organisationen, die sich für Frauenrechte und Bildung einsetzen.

Der Erfolg von „Gangubai Kathiawadi“ in Indien war enorm. Der Film spielte weltweit über 200 Millionen Dollar ein und wurde von der Kritik gefeiert. Alia Bhatt erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihre Darstellung. Nun hofft man, dass der Film auch in Deutschland ein Publikum findet. Die Berlinale-Premiere war ein erster Schritt, und die mediale Aufmerksamkeit könnte helfen, die Hürde des Nischenpublikums zu überwinden.

Abschließend lässt sich sagen, dass Alia Bhatt nicht nur ein Bollywood-Star ist, sondern auch eine Botschafterin für kulturelle Verbindungen. Ihre deutschen Wurzeln und ihre Karriere in Indien zeigen, wie global die Filmindustrie geworden ist. „Gangubai Kathiawadi“ ist mehr als ein Film – es ist ein Zeugnis für Mut, Widerstandsfähigkeit und die Kraft des Erzählens. Wer ihn sieht, wird nicht nur von Alia Bhatts schauspielerischer Leistung beeindruckt sein, sondern auch von der Botschaft des Films: Dass jede Frau, unabhängig von ihrer Herkunft, die Macht hat, ihr Schicksal zu ändern.


Source: Berliner Zeitung News


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