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The Weeknd zum letzten Mal in Frankfurt? Verchromte Ruinen, Laser und Rekordhits

Aug 07, 2026  Twila Rosenbaum  9 views
The Weeknd zum letzten Mal in Frankfurt? Verchromte Ruinen, Laser und Rekordhits

Mit einer monumentalen Show hat The Weeknd am Donnerstagabend das erste von drei Konzerten im Frankfurter Waldstadion gespielt. Vor rund 50.000 ausverkauften Zuschauern inszenierte der kanadische Sänger eine Mischung aus dystopischer Bildwelt, Laser-Effekten und einer mehr als 40 Songs umfassenden Setlist. Schon im Vorfeld hatten viele Fans darüber spekuliert, ob es sich um die letzten Auftritte seiner Bühnenfigur handeln könnte. Abel Tesfaye, wie der Künstler bürgerlich heißt, hatte mehrfach angedeutet, die Geschichte seiner Kunstfigur nach dieser Welttournee zu beenden.

Die Tour trägt den Titel „After Hours Til Dawn“ – auf Deutsch „Nach Feierabend bis zum Morgengrauen“. Im Frankfurter Waldstadion war nach Mitternacht allerdings Schluss, doch was der 36-jährige Kanadier zuvor lieferte, war keine durchfeierte Nacht, sondern ein düster-futuristisches Laserspektakel. Bereits am Nachmittag waren die Temperaturen in Frankfurt auf knapp 40 Grad geklettert. Zwar kühlte es am Abend etwas ab, doch die Fans kamen trotzdem ins Schwitzen, als The Weeknd mit dem Song „Baptized in Fear“ und zahlreichen Feuerfontänen den Abend eröffnete.

Dystopische Kulisse als Symbol

Wer The Weeknd vor allem von seiner Super-Bowl-Halftime-Show 2021 kannte, erlebte diesmal eine komplett andere Bühnenwelt. Während damals riesige Wolkenkratzer die Kulisse prägten, bestand das Bühnenbild nun aus verchromten Stadtruinen, aus denen immer wieder Laserblitze hervorschossen. Diese dystopische Ästhetik passt zu der düsteren Erzählung, die der Künstler seit Jahren um seine Persona The Weeknd spinnt: ein rastloser Nachtmensch, getrieben zwischen Rausch, Ruhm, Einsamkeit und Selbstzerstörung.

Die verfallenen Stadtsilhouetten lassen sich als Symbol für eine Kunstfigur lesen, deren Geschichte nach dieser Welttournee zu Ende erzählt sein könnte. In Interviews hatte The Weeknd wiederholt angekündigt, sich von seiner Bühnenidentität verabschieden zu wollen. Auf seinen Social-Media-Kanälen verwendete er zeitweise sogar seinen bürgerlichen Namen Abel Tesfaye. Dass er nun in Frankfurt noch einmal all seine Facetten zelebriert, machte die Konzerte zu etwas Besonderem.

Eine zwölf Meter große Androidin

Ein zentrales Element der Show war eine zwölf Meter große goldfarbene Androidin des japanischen Künstlers Hajime Sorayama. Sie gilt als das größte Kunstwerk, das jemals für eine Konzertproduktion in Auftrag gegeben wurde. Wie eine übermächtige Göttin überragte sie die Bühne, drehte sich um ihre eigene Achse und schickte immer wieder Laser und Nebel über das Stadion. Die riesige Roboterfrau wirkte wie die Verkörperung der Kunstfigur The Weeknd: ikonisch, überhöht und zugleich entmenschlicht.

Schon in früheren Jahren arbeitete der Sänger immer wieder mit visuell starken Bühnenbildern. Doch die Kombination aus verchromten Ruinen, rotglühenden Masken und mechanisch wirkenden Tänzern verlieh der Show eine beinahe rituelle Atmosphäre. Die goldmaskierten Tänzer in leuchtend roten Kutten begleiteten The Weeknd über die Bühne, ihre Bewegungen wirkten kontrolliert und mechanisch, als würden sie nicht zu einem Popkonzert tanzen, sondern eine Zeremonie in einer Trümmerlandschaft vollziehen.

Nach zwanzig Minuten fällt die Maske

Unter tosendem Jubel nahm The Weeknd nach gut zwanzig Minuten seine schwarze Maske mit rotglühenden Augen ab. Zum Vorschein kam ein grinsender Abel Tesfaye, der für einen Moment ziemlich nahbar wirkte. „Ich möchte niemanden verärgern, aber das könnte lauter gewesen sein als München“, rief er mit einem verschmitzten Lächeln in das Stadion. Die rund 50.000 Fans antworteten mit einem weiteren Jubelsturm.

Diese kurze Momentaufnahme zeigte, wie sehr der Sänger das Spiel mit seiner Identität beherrscht. Auf der Bühne blieb er jedoch meist in seiner Rolle als The Weeknd, umgeben von Masken, Kutten und einer Übermacht an visuellen Effekten. Die Inszenierung war durchkomponiert und ließ wenig Raum für Spontaneität. Zwar wirkten die Laser und Feuerfontänen zunächst beeindruckend, doch im Laufe des Abends wiederholten sich einige Bilder und Effekte, sodass die Show an manchen Stellen etwas an Spannung verlor.

Eine außergewöhnlich umfangreiche Setlist

Musikalisch bot Abel Tesfaye eine Reise durch sein gesamtes Schaffen. Mit mehr als 40 Titeln spannte die Setlist einen Bogen von frühen Mixtape-Klassikern wie „House of Balloons“ und „Wicked Games“ aus dem Jahr 2011 über Welthits wie „Can't Feel My Face“, „Starboy“, „The Hills“ und „Save Your Tears“ bis hin zu Songs seines aktuellen Albums „Hurry Up Tomorrow“ wie „Open Hearts“, „Cry for Me“ oder „The Abyss“. Damit holte er sowohl langjährige Fans ab als auch Besucherinnen und Besucher, die ihn vor allem durch seine größten Chart-Hits kennen.

Der Erfolg des Kanadiers ist eng mit der Streaming-Ära verbunden. Sein Song „Blinding Lights“, veröffentlicht im November 2019, wurde zu einem der erfolgreichsten Titel überhaupt. Auf Spotify überschritt er als erster Song die Marke von fünf Milliarden Streams. Dieser Rekord verdeutlicht, wie sehr The Weeknd die Musikindustrie der vergangenen Jahre geprägt hat. Auch in Frankfurt durfte der Hit nicht fehlen und sorgte für einen der größten Jubelmomente des Abends.

Seine Karriere begann Anfang der 2010er Jahre, als der in Toronto geborene Musiker mit Mixtapes wie „House of Balloons“ erstmals Aufmerksamkeit erregte. Es folgten Alben wie „Beauty Behind the Madness“, „Starboy“ und „After Hours“, die ihn endgültig zum weltweiten Superstar machten. Neben seiner eigenen Musik arbeitete er mit Künstlern wie Daft Punk, Kendrick Lamar und Ariana Grande zusammen. Sein Einfluss reicht weit über den Pop hinaus und prägte den Sound einer ganzen Generation.

Remembering Kavinsky

Kurz vor dem Ende der Show widmete The Weeknd seinem verstorbenen Freund Kavinsky den Song „Odd Look“. Der französische DJ und Produzent, mit dem er 2013 gemeinsam den Track aufgenommen hatte, war wenige Tage zuvor tot in seiner Pariser Wohnung gefunden worden. Die Widmung berührte die Fans im Stadion sichtlich und machte den Abend zu einem sehr emotionalen Moment. Es war eine seltene Gelegenheit, den Sänger so persönlich zu erleben, abseits von der großen Inszenierung.

The Weeknd hat sich bislang nicht dazu geäußert, wie es nach der Ära The Weeknd weitergehen wird. Klar ist nur, dass der 36-Jährige weiterhin Musik machen möchte. Mit der aktuellen Show hat er seiner berühmten Kunstfigur zumindest ein symbolträchtiges Finale gegeben. Die Frage, ob die Frankfurter Auftritte die letzten dieser Art sind, lässt er bewusst offen.

Für die beiden Zusatzkonzerte am Freitag und Samstag sind nur noch wenige Restkarten verfügbar. Wer The Weeknd also noch einmal in dieser Form erleben möchte, sollte sich beeilen.


Source: hessenschau.de News


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