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Wimbledon: Serena Williams steht vor Comeback im Einzel

Jun 26, 2026  Twila Rosenbaum  4 views
Wimbledon: Serena Williams steht vor Comeback im Einzel

Serena Williams, die erfolgreichste Tennisspielerin des 21. Jahrhunderts, steht vor einer der schwierigsten Entscheidungen ihrer Karriere: Nach fast drei Jahren Pause vom Einzel will die 44-Jährige in Wimbledon ihr Comeback auf der größten Tennisbühne der Welt geben. Am vergangenen Sonntag verkündeten die Veranstalter des Rasenturniers, dass Williams eine Wildcard für das Einzelfeld erhalten hat. „Serena Returns“ lautete die Botschaft, die die Tenniswelt sofort in Aufregung versetzte.

Eine Rückkehr mit Risiko

Die Geschichte des Spitzensports ist voll von Beispielen, die vor einer Rückkehr warnen. Björn Borg, der mit 26 Jahren zurückgetretene elfmalige Grand-Slam-Sieger, kehrte 1991 nach fast acht Jahren Pause zurück und verlor sein erstes Match in Monte Carlo klar gegen Jordi Arrese. Auch Michael Jordan lieferte mit seiner Rückkehr zu den Washington Wizards ein ambivalentes Beispiel: Trotz solider Punkteausbeute blieb das Team ohne Playoff-Teilnahme, und Jordan selbst bezeichnete die Rückkehr später als Fehler. Muhammad Ali, der größte Boxer aller Zeiten, erlitt 1980 und 1981 schwere Niederlagen, die seine Parkinson-Erkrankung wahrscheinlich begünstigten.

Trotz dieser warnenden Beispiele will Serena Williams den Schritt wagen. Sie hat in den letzten Wochen in Queens und Berlin erste Doppelauftritte absolviert und dabei gezeigt, dass ihr außergewöhnliches Talent nicht verloren gegangen ist. Die Frage ist, ob die 44-Jährige nach der langen Wettkampfpause auch im Einzel körperlich und mental bestehen kann. Ihr letztes Einzelmatch liegt über zweieinhalb Jahre zurück: Am 2. September 2022 verlor sie bei den US Open in der dritten Runde gegen Ajla Tomljanovic.

Wimbledon als Maßstab

Wimbledon ist für Serena Williams kein unbekanntes Terrain. Insgesamt sieben Titel holte sie an der Church Road – zuletzt 2016, als sie Angelique Kerber im Finale besiegte. 2019 erreichte sie zum letzten Mal das Finale, unterlag dort aber Simona Halep glatt. 2021 musste sie verletzt aufgeben, 2022 schied sie in der ersten Runde gegen Harmony Tan aus. Seitdem hat sie kein Einzel auf der Tour mehr gespielt.

Die Wildcard für Wimbledon kam erst am letztmöglichen Tag. Williams hatte sich lange Bedenkzeit genommen. „Denkt ihr, ich bin bereit für ein Einzel? Ich denke, ich muss noch üben“, sagte sie in Berlin, wo sie mit ihrer Doppelpartnerin Ons Jabeur antrat. Doch schon da war klar, dass die nächste Stufe ihres Comebacks kommen würde. Boris Becker sprach von „wundervollen Neuigkeiten“ und zeigte sich optimistisch, dass Williams für Überraschungen gut ist.

Die Konkurrenz und die Erwartungen

Die aktuelle Tennisszene wird von Spielerinnen wie Iga Świątek, Aryna Sabalenka, Coco Gauff und Elena Rybakina dominiert. Świątek, die Weltranglistenerste, hat in den letzten Jahren vier Grand-Slam-Titel gewonnen und ist auf Rasen noch nicht vollends angekommen, aber eine gefährliche Gegnerin. Sabalenka und Rybakina haben ebenfalls mit starken Aufschlägen und Grundlinienschlägen ihre Stärken auf dem schnellen Belag. Serena Williams, die früher durch ihre explosive Kraft und mentale Härte überzeugte, wird sich gegen diese Spielerinnen behaupten müssen.

Experten sind uneins: Manche sehen in Williams’ Rückkehr eine große Chance, andere warnen vor zu hohen Erwartungen. „Sie ist 44, hat zwei Kinder und war lange weg von der Tour. Ein Sieg gegen eine Top-10-Spielerin wäre schon eine Sensation“, sagt ein ehemaliger Trainer. Williams selbst hält sich bedeckt. Sie hat in Interviews angedeutet, dass es ihr nicht um den Titel geht, sondern um das Gefühl, auf dem Court zu stehen und zu zeigen, dass sie noch mithalten kann. Ein Sieg in der ersten Runde wäre bereits ein Erfolg.

Das Doppel mit Venus

Ein besonderer Höhepunkt in Wimbledon wird das Doppel mit ihrer älteren Schwester Venus sein. Die beiden Williams-Schwestern haben insgesamt 14 Grand-Slam-Doppeltitel gemeinsam gewonnen, davon sechs in Wimbledon. Venus, die selbst 49 Jahre alt ist, hat ihre aktive Karriere weitgehend beendet, aber für diese eine Woche haben beide ihre Kräfte gebündelt. „Es wird emotional sein, mit ihr auf dem Platz zu stehen“, sagte Serena. Die Kombination aus Serenas Comeback und dem Schwestern-Doppel wird Wimbledon in diesem Jahr zu einem der meistbeachteten Turniere der letzten Jahre machen.

Historischer Kontext und Vermächtnis

Serena Williams’ Karriere ist beispiellos. Mit 23 Grand-Slam-Einzeltiteln liegt sie nur einen hinter Margaret Court (24), und viele Experten sehen sie als die beste Spielerin aller Zeiten. Sie hat alle vier Majors mindestens dreimal gewonnen, war insgesamt 319 Wochen Weltranglistenerste und hat mehr als 94 Millionen US-Dollar an Preisgeldern verdient. Ihr Einfluss auf den Tennissport geht weit über die Statistiken hinaus: Sie hat als schwarze Frau in einem von weißen Spielerinnen dominierten Sport Barrieren durchbrochen und unzählige junge Spielerinnen inspiriert.

Ihr Comeback in Wimbledon wird daher nicht nur sportlich, sondern auch symbolisch verstanden werden. Es geht um die Frage, ob eine Legende nach langer Pause noch einmal an alte Erfolge anknüpfen kann. Die Antwort wird das Turnier selbst geben. Serena Williams tritt mit einer Wildcard an, ist nicht gesetzt und trifft daher in den ersten Runden auf möglicherweise schwere Gegnerinnen. Aber sie hat schon oft bewiesen, dass sie in der Lage ist, über sich hinauszuwachsen.

Vorbereitung und Form

Im Vorfeld von Wimbledon hat Williams intensiv trainiert. Sie hat auf den heimischen Plätzen in Florida geschuftet, an ihrer Kondition gearbeitet und ihre Schlagtechnik verfeinert. In Queens und Berlin zeigte sie im Doppel, dass ihr Aufschlag noch immer zu den besten der Welt gehört. Sie erzielte Asse und dominierte die Netzangriffe. Die Frage, ob sie die Laufarbeit und die langen Ballwechsel eines Einzelmatches durchhalten kann, bleibt jedoch offen. Ihre Gegnerinnen werden versuchen, sie durch weite Bälle und Tempowechsel zu ermüden.

Die Auslosung für Wimbledon wird zeigen, welchen Weg sie gehen muss. Falls sie eine starke Setzliste vermeiden kann, könnte sie in der ersten Runde gegen eine Qualifikantin oder eine niedriger eingestufte Spielerin antreten, was den Einstieg erleichtern würde. Doch selbst dann ist der Druck enorm. Die ganze Tenniswelt wird auf sie schauen. Kein anderer Spieler – abgesehen vielleicht von Novak Djokovic – zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie Serena Williams.

Fazit ohne Fazit: Ein neues Kapitel

Am Ende zählt nur der Moment. Serena Williams wird in Wimbledon nicht nur um Siege kämpfen, sondern um ein letztes Mal das Gefühl, auf dem Centre Court zu stehen, das La-Ola aus Tausenden von Zuschauern zu hören und ihr Können zu zeigen. Ob sie die zweite Woche erreicht oder nicht – ihr Vermächtnis als eine der größten Sportlerinnen aller Zeiten bleibt unangetastet. Wimbledon 2025 wird, egal wie das Turnier für sie ausgeht, ein weiteres Kapitel in der unvergleichlichen Karriere von Serena Williams sein. Und vielleicht ist genau das der wahre Grund für ihr Comeback: die Liebe zum Sport und der Wunsch, noch einmal bei den Besten mitzuspielen.


Source: MSN News


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