Die wichtigsten Fakten:
- Addison Rae Easterling, geboren am 6. Oktober 2000, startete 2019 auf TikTok und erreichte innerhalb kürzester Zeit mehr als eine Million Follower.
- Nach dem Flop ihrer ersten Single „Obsessed“ im Jahr 2021 und einer Rolle in der Netflix-Komödie „Einer wie keiner“ galt sie vielen zunächst als Influencerin, die sich im Musikgeschäft versucht.
- Ein Leak ihrer EP „AR“ im Januar 2022 wendete die Wahrnehmung: Songs wie „Nothing On (But The Radio)“ erlangten Kultstatus.
- Mit „Diet Pepsi“ erreichte Addison Rae die Billboard Hot 100; für „Aquamarine“ erhielt sie Anerkennung von Ariana Grande und Lady Gaga.
- Ihr selbst betiteltes Debütalbum „Addison“ erscheint am 6. Juni 2025 und wurde ausschließlich von Frauen geschrieben und produziert.
Die Frage nach dem Können und die Antwort in Songs
„Was kann die eigentlich?“ Dieser Satz fällt oft, wenn über Internet-It-Girls und Influencerinnen gesprochen wird. Addison Rae ist beides – und inzwischen noch viel mehr. Sie kennt die Skepsis, die in dieser Frage steckt, aus eigener Erfahrung. Im Laufe ihrer Karriere musste sie immer wieder beweisen, dass sie es ernst meint: mit ihrer Musik, ihrer Ästhetik und ihrer Art, Pop zu erzählen. Spätestens seit „Diet Pepsi“ glauben ihr auch die letzten Kritikerinnen und Kritiker. Addison Rae ist Popstar. Und zwar einer, der die Zeichen der Zeit nicht nur erkennt, sondern sie mit den Codes der 2000er Jahre neu zusammensetzt.
Addison Rae Easterling, geboren am 6. Oktober 2000, war zunächst ein Phänomen der kurzen Videos. 2019 tauchte sie in den TikTok-Feeds auf, tanzte zu Trendsongs, bewegte die Lippen zu Hits und wuchs mit einer Geschwindigkeit, die für die Plattform typisch war und zugleich alles andere als selbstverständlich ist. Innerhalb kürzester Zeit erreichte sie eine Million Follower, wenig später waren es Millionen. Sie brach ihr Studium ab, konzentrierte sich auf Social Media, startete einen Podcast und launchte eine Beauty-Linie. Das war zunächst eine klassische Influencerinnen-Laufbahn – erfolgreich, sichtbar und eng an die Logik der Plattformen gebunden.
Vom viralen Tanzen zur ersten Single
Musik war für Addison Rae allerdings kein nachträglicher Einfall. Sie wollte schon früh Musik machen, doch die Öffentlichkeit reagierte auf ihren ersten Versuch mit Skepsis. 2021 veröffentlichte sie ihre erste Single „Obsessed“, und der Song floppte. Für viele schien damit bestätigt, was sie ohnehin vermutet hatten: Eine TikTok-Bekanntheit versucht sich nun auch noch als Sängerin. Als sie anschließend eine Rolle in der seichten Netflix-Komödie „Einer wie keiner“ übernahm, stand das Narrativ endgültig fest. Addison Rae galt als weitere Influencerin, die plötzlich denkt, sie könne alles – Musik, Schauspiel, Mode und Popkultur gleichzeitig.
Doch die Geschichte nahm eine unerwartete Wendung. Im Januar 2022 wurden Teile ihrer EP „AR“ vor der offiziellen Veröffentlichung im Netz geleakt. Für Künstlerinnen und Künstler ist ein solcher Leak eigentlich ein Horrorszenario: unfertige Songs, unkontrollierte Veröffentlichung, verlorene Überraschungsmomente. Für Addison Rae wurde der Leak jedoch zum Grundstein für alles, was noch kommen sollte. Die Songs kamen online wider Erwarten extrem gut an und erlangten Kultstatus. Besonders „Nothing On (But The Radio)“, eine unveröffentlichte Komposition von Lady Gaga, die Addison Rae neu aufnahm, wurde zum Fanliebling. Plötzlich sprachen nicht mehr nur TikTok-Zuschauerinnen und -Zuschauer über sie, sondern auch Popfans, die genau hinhörten.
Charli xcx und der Moment, in dem der Pop funkte
Eine entscheidende Rolle auf diesem Weg spielte Charli xcx. Eine Demo-Aufnahme des Songs „2 die 4“ ging nach dem Leak viral, und Charli xcx liebte den Song so sehr, dass sie Addison Rae direkt anbot, eine gemeinsame Version aufzunehmen. 2024 performten die beiden den Song schließlich bei einem von Charli xcx gefeierten Boiler-Room-Set in Brooklyn. Für Addison Rae war es der erste Live-Auftritt – und wohl auch der Moment, in dem vielen klar wurde, was sie wirklich draufhat. Es blieb nicht bei dieser Zusammenarbeit: Für den Remix des Brat-Songs „Von dutch“ lieferte sie einen Vers inklusive Schrei, der quasi sofort in die jüngere Popgeschichte einging.
Von da an war Addison Rae nicht mehr die niedlich-freche Influencerin aus den TikTok-Feeds. Sie war Teil einer Cool-Kids-Clique um Charli xcx, arbeitete mit angesagten Produzentinnen und Produzenten und veröffentlichte Singles, die von Kritikerinnen und Kritikern gelobt wurden. Plötzlich wurden Referenzen wie Madonna, Janet Jackson und Britney Spears herangezogen. Ihre Paparazzi-Outfits wurden tausendfach geteilt, und ihr erstes Album wurde zu einer der am heißesten erwarteten Veröffentlichungen des Jahres.
„Diet Pepsi“, „Aquamarine“ und die melancholische Y2K-Ästhetik
Mit „Diet Pepsi“ schaffte Addison Rae es in die Billboard Hot 100 – ein großer Meilenstein für eine noch nicht etablierte Künstlerin. Der Song verband eine luftige, fast zerbrechliche Popmelodie mit einer Ästhetik, die an die frühen 2000er Jahre erinnerte, ohne sie bloß zu kopieren. Für „Aquamarine“ bekam sie Anerkennung von Superstars wie Ariana Grande und Lady Gaga. Die Musikerin Rosalía sagte über Rae, sie liebe es, wie diese den amerikanischen Popstar der 2000er Jahre zurück in die Gegenwart bringe. Das ist mehr als ein Kompliment: Es beschreibt ein künstlerisches Programm.
Die melancholischen Gedanken an eine vermeintlich unbeschwerte Zeit, in der Popsongs gehaucht und Hüfthosen extratief getragen wurden, sind der Kern von Addison Raes aktueller Ästhetik. Auch auf ihrer Single „Headphones On“ spart sie nicht an Y2K-Referenzen. Sie promotete den Song auf Instagram mit einem Bild ihres iPod Nano – ein Detail, das wie eine kleine Zeitkapsel wirkt. Zugleich zeigt sie sich auf „Headphones On“ so verwundbar und ehrlich wie nie zuvor. Sie singt über die Beziehung ihrer Eltern, erzählt von ihrer Eifersucht auf andere It-Girls und beweist Tiefgang. Die Retrowelle ist bei ihr also nicht nur Oberfläche, sondern ein Gefäß für persönliche Erzählungen.
Ein Debütalbum, das von Frauen geschrieben und produziert wurde
Am 6. Juni 2025 erscheint nun endlich ihr selbst betiteltes Album „Addison“, über das seit „Diet Pepsi“ alle sprechen. Schon das Album-Cover unterstreicht, dass Addison Rae die Popdiven und Pop-Prinzessinnen der Vergangenheit studiert hat. Es erinnert an Britney Spears’ Album „Britney“, ruft Assoziationen zu Hilary Duffs „Metamorphosis“ hervor und wirkt wie eine Hommage an Taylor Swifts EP „Beautiful Eyes“. Das Veröffentlichungsdatum verkündete sie übrigens auf der Bühne des Coachella-Festivals – mit Glitzerschrift auf ihrer Unterwäsche. Mehr 00er-It-Girl-Vibes gehen kaum.
Womit „Addison“ sonst noch hervorsticht: Alle zwölf Songs des Albums wurden ausschließlich von Frauen geschrieben und produziert. Das ist eine echte Seltenheit im Popgeschäft. Selbst Vorreiterinnen des modernen Girl-Pop wie Charli xcx, Chappell Roan und Sabrina Carpenter arbeiten überwiegend mit Männern. Addison Rae hingegen hat ihr Album mit Luka Kloser und Elvira Anderfjärd auf die Beine gestellt. Die beiden arbeiten für MXM Studios, gegründet von Max Martin, dem Mastermind hinter Songs wie „…Baby One More Time“. Von Frauen gemachter 2000er-Pop mit Rückenwind des einflussreichsten Produzenten dieser Zeit – das sind perfekte Voraussetzungen für ein Album, das sowohl nostalgisch als auch gegen
Source: Vogue Germany News