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Pony Ma: Tencent-Boss und WeChat-Erfinder will spielend zum Erfolg

Nov 02, 2026  Twila Rosenbaum  4 views
Pony Ma: Tencent-Boss und WeChat-Erfinder will spielend zum Erfolg

Die wichtigsten Fakten

  • Pony Ma, chinesisch Huateng, ist CEO von Tencent und gilt als zentrale Figur hinter WeChat.
  • Tencent wurde im November 1998 von Pony Ma und vier Studienfreunden in Shenzhen gegründet.
  • Der Instant Messenger QQ machte Tencent bekannt; 2004 folgte der Börsengang in Hongkong.
  • Tencent ist der weltgrößte Spieleanbieter und erzielte 2016 damit mehr als 10 Milliarden Dollar Umsatz.
  • Honour of Kings ist das erfolgreichste Handyspiel der Welt: 200 Millionen registrierte Nutzer, 80 Millionen tägliche Spieler.
  • Tencent kaufte unter anderem Supercell für fast 9 Milliarden Dollar und beteiligte sich an Snap.
  • Zwischen 2012 und 2017 investierte Tencent über 60 Milliarden Dollar in 75 Deals.
  • WeChat wird von zwei von drei Chinesen genutzt, rund eine Milliarde Menschen.

Pony Ma gehört zu den mächtigsten, aber öffentlichkeitsscheuesten Unternehmern Chinas. Sein großer innerchinesischer Rivale Jack Ma heißt ebenfalls Ma, trägt aber einen westlichen Vornamen und ist als extrovertierter Showman bekannt. Pony Ma dagegen wirkt zurückhaltend, fast unscheinbar. Sein Scheitel sitzt akkurat, er liebt das dezente Grau des Businessanzugs, und große Inszenierungen sind ihm fremd. Zwar tritt er bei einer Neujahrsfeier des von ihm geführten Konzerns Tencent schon einmal als Sänger auf, doch im Alltag arbeitet er eher im Hintergrund. Sein Büro liegt in der neuen Hauptverwaltung in Shenzhen, einem architektonischen Meisterwerk, das 600 Millionen Dollar kostete. Zwei 250 Meter hohe Türme sind durch drei Skybridges verbunden, die symbolische Namen tragen: Gesundheit, Kultur und Wissen. Auf der Gesundheitsbrücke gibt es eine Saftbar, ein Fitnesscenter, ein Basketballfeld und eine 300-Meter-Laufbahn. Die beiden Bürotürme bieten Platz für 12.000 Beschäftigte und stehen nicht weit vom alten Gebäude, das bereits nach sieben Jahren zu klein war, sowie noch näher an der Universität, an der Pony Ma studierte.

Ein Informatiker aus Shenzhen

Pony Ma studierte an der Shenzhen University Computerwissenschaften. Im November 1998 gründete er zusammen mit vier Studienfreunden aus Shenzhen das Unternehmen Tencent. Kurz darauf entwickelten sie den Instant Messenger QQ. Der Dienst wurde in China schnell populär, weil er Kommunikation im Internet einfacher machte und sich an die Bedürfnisse einer jungen, wachsenden Online-Gemeinschaft anpasste. Als die Gewinne sprudelten, ging Tencent im Jahr 2004 an die Börse in Hongkong. Mit den Erlösen aus dem Börsengang bauten Ma und seine Freunde vor allem das Onlinegaming-Geschäft massiv aus. Dieser Schritt sollte sich als entscheidend erweisen: Tencent entwickelte sich vom Messenger-Anbieter zu einem der größten Internetkonzerne der Welt.

Spiele als Wachstumsmotor

Heute ist Tencent der weltgrößte Spieleanbieter. Mit Spielen macht das Unternehmen mehr als 10 Milliarden Dollar Umsatz und verdient viel Geld. Das erfolgreichste Handyspiel der Welt heißt Honour of Kings. Es wird fast nur in China gespielt, hat dort aber 200 Millionen registrierte Nutzer, und jeden Tag spielen es 80 Millionen Menschen. Die Popularität ist so groß, dass der chinesische Staat Mäßigung einforderte. Tencent sperrte das Spiel deshalb für Kinder unter zwölf Jahren nach 21 Uhr. Auch in der Armee gab es Bedenken: Angesichts der Spielsucht fürchtete man dort allen Ernstes eine abnehmende Kampfbereitschaft. Ähnlich erfolgreich sind die Spiele League of Legends und Clash of Clans. Sie kamen durch milliardenteure Zukäufe in das Portfolio von Tencent. Für den Clash-of-Clans-Entwickler Supercell aus Finnland zahlte Tencent fast 9 Milliarden Dollar.

Aggressive Übernahmestrategie

Unter den drei großen BAT-Unternehmen Baidu, Alibaba und Tencent ist Tencent bei Übernahmen am aggressivsten. Zwischen 2012 und 2017 gab der Konzern bei 75 Deals über 60 Milliarden Dollar aus. Ein jüngerer Deal war eine 12-Prozent-Beteiligung an Snap, der Muttergesellschaft von Snapchat. Interessant ist dabei, dass sich Tencent, aber auch Alibaba und Baidu, nicht mehr auf Investmentbanken verlassen. Früher berieten Banken bei der Suche nach Übernahmeobjekten und wickelten anschließend die Deals ab. Heute haben die Konzerne eigene M&A-Abteilungen und werben gute Leute von Goldman Sachs und anderen Wall-Street-Banken ab. Bei den Gehältern können die BAT-Unternehmen locker mithalten. Geld spielt bei allen dreien keine große Rolle. Tencent nutzt diese finanzielle Stärke, um sein Ökosystem aus Kommunikation, Spielen, Bezahldiensten und Beteiligungen stetig zu erweitern.

WeChat entsteht aus internem Wettbewerb

Berühmt wurde Tencent aber nicht nur durch seine gewinnbringende Spiele-Sparte, sondern vor allem durch den Instant-Messenger-Dienst WeChat. Pony Ma mag Teams. Er lässt sie, das hat er sich bei Microsoft abgeschaut, um die besten Ideen wetteifern. WeChat entstand aus einem internen Wettstreit zweier Forschungsteams. Das eine saß im Headquarter in Shenzhen, das andere im Forschungszentrum in Guangzhou. Sieger wurde Anfang 2011 die zehnköpfige Guangzhou-Truppe um Zhang Xiaolong. Er wird in der Szene als Vater von WeChat verehrt. Der Erfolg gab dem internen Wettbewerb recht: WeChat wurde zum zentralen Produkt des Konzerns und veränderte die Art und Weise, wie Hunderte Millionen Menschen kommunizieren, bezahlen und Dienstleistungen nutzen.

Mehr als ein Messenger

Wer WeChat nur als chinesisches WhatsApp bezeichnet, wird dem Dienst nicht gerecht. WeChat ist deutlich funktionsreicher als WhatsApp. Der frühere Roland-Berger-Chef und Chinakenner Charles-Édouard Bouée sagte, WeChat sei alles zusammen: WhatsApp, Skype, Instagram und Facebook. Ergänzen ließe sich, dass WeChat auch Elemente von Amazon, Uber oder Lieferando enthält. Tencents Ziel ist es laut Analysten, mit WeChat alle anderen Apps auf dem Smartphone zu ersetzen. Die Mega-App wäre dann ein geschlossenes System, das man nicht mehr verlassen muss. Es soll nur noch eine App geben, und die reicht. WeChat wird deshalb auch als App-Killer bezeichnet. Zwei von drei Chinesen, also knapp eine Milliarde Menschen, nutzen bereits WeChat. Jeder Nutzer erhält einen QR-Code. Das ist eine quadratische Matrix, die selbst aus vielen kleinen schwarzen und weißen Quadraten besteht. Dieser Code ist quasi die WeChat-ID und ersetzt immer öfter die Visitenkarte. Gehörte es in China lange zum Begrüßungsritual, beidhändig Kärtchen auszutauschen, so scannen heute viele Menschen stattdessen gegenseitig ihre QR-Codes mit dem Smartphone.

Rivalität und Coopetition

Tencents Domäne ist klar der Messenger-Dienst, so wie Alibabas Domäne der E-Commerce ist. Trotzdem duellieren sich die beiden Konzerne, und gleichzeitig verbünden sie sich immer wieder. Einerseits herrscht brutaler Wettbewerb, vor allem bei den Bezahlsystemen, wo chinesische Verbraucher nur vor der Frage stehen: Nutze ich Alipay oder Tencent Pay? Auch im E-Commerce attackieren sie sich. Tencent stieg im März 2014 bei JD.com ein, dem einzigen großen Alibaba-Rivalen. Alibaba revanchierte sich, indem es im Frühjahr 2017 beschloss, in den Onlinegaming-Markt einzusteigen. Harte Rivalen sind die beiden auch bei den Lieferdiensten für Essen: Ele.me auf Alibaba-Seite gegen Meituan Dianping auf Tencent-Seite, den Shootingstar der Online-Szene. Andererseits machen die Giganten auch gemeinsame Sache, etwa als sie sich gegen den mächtigen US-Konzern Uber zusammenschlossen und diesen quasi aus dem chinesischen Markt verdrängten. Für dieses Wechseln zwischen Competition und Cooperation haben Ökonomen einen Begriff erfunden, eine Wortkreuzung: Coopetition.

Der stille Stratege und das BAT-Trio

Pony Ma bleibt trotz dieser Machtfülle ein Manager, der selten laute Töne anschlägt. Er setzt auf Teams, interne Wettbewerbe und langfristige Strategien. Während Jack Ma das Gesicht des neuen Chinas verkörpert und Alibaba mit spektakulären Auftritten prägt, steht Pony Ma für eine andere Form der Unternehmensführung: sachlich, diskret und stark auf Produkte und Ökosysteme ausgerichtet. Tencent ist damit zu einem Konzern geworden, der Spiele, Kommunikation, Bezahldienste und Beteiligungen miteinander verbindet. Doch bei aller Dominanz von Alibaba und Tencent gibt es noch den dritten im BAT-Trio: das Suchmaschinenportal Baidu mit Sitz in Beijing. Manche Experten bezweifeln, ob das B noch dazugehört, weil Alibaba und Tencent bereits so weit vorausgeeilt sind. Bei Baidu sieht man das freilich anders. Dort sieht man sich weiterhin in derselben Topliga.


Source: Manager Magazin News


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