Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird nach Prognosen des Weltfußballverbands Fifa rund 10,9 Milliarden Dollar (etwa 9,3 Milliarden Euro) umsetzen. Damit übertrifft das Turnier alle bisherigen Rekorde und festigt seinen Status als das lukrativste Sportereignis der Welt. Zum Vergleich: Die erste WM 1930 in Uruguay brachte umgerechnet nur etwa zehn bis zwanzig Millionen Dollar (heutige Kaufkraft) ein – ein Anstieg um das Tausendfache.
Die Einnahmen setzen sich aus mehreren Quellen zusammen. Mit geschätzten 4,3 Milliarden Dollar stellen die weltweiten Übertragungsrechte den größten Posten dar. Hinzu kommen rund 2,8 Milliarden Dollar aus dem Sponsoring. Die genauen Zahlungen der Hauptsponsoren wie Adidas, Coca-Cola, Hyundai-Kia oder Aramco sind nicht öffentlich, Analysten gehen von jährlichen Beiträgen zwischen 50 und 100 Millionen Dollar pro Unternehmen aus. Die Ticketerlöse erreichen ebenfalls neue Höhen: Ein Finalticket der besten Kategorie kostet 10.990 Dollar, die günstigsten Karten für Vorrundenspiele liegen bei mehreren hundert Dollar.
Das Turnier selbst hat sich strukturell verändert. Erstmals nehmen 48 Mannschaften teil – 16 mehr als in den vergangenen Jahrzehnten. Statt 64 werden 104 Spiele ausgetragen. Diese Expansion erhöht nicht nur die Spielanzahl, sondern auch die Vermarktungsmöglichkeiten und die Nachfrage nach Tickets. Die Organisationskosten liegen nach Fifa-Angaben bei rund 13,9 Milliarden Euro, wobei darin auch touristische Ausgaben der Besucher enthalten sind. Ohne diese Effekte dürften die reinen Turnierkosten unter zehn Milliarden Dollar bleiben – weniger als bei den vorherigen Weltmeisterschaften seit 2014. Die WM 2022 in Katar war mit geschätzten 220 Milliarden Dollar (inklusive Infrastrukturinvestitionen) ein Ausreißer nach oben.
Im Vergleich zu anderen Sportgroßereignissen steht die WM ebenfalls an der Spitze. Die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris erzielten Einnahmen von rund 4,5 Milliarden Dollar – weniger als die Hälfte der Fußball-WM. US-Profisportligen wie die NFL (19,2 Milliarden Dollar), MLB (11,6 Milliarden) und NBA (10,6 Milliarden) erzielen zwar ähnliche oder höhere Jahresumsätze, sind aber keine Einzelveranstaltungen, sondern ganze Saisons. Die deutsche Bundesliga setzte im selben Jahr etwa vier Milliarden Dollar um.
Die hohen Ticketpreise sorgen für Diskussionen. Die Fifa verteidigt die Preise mit der gestiegenen Nachfrage und den höheren Produktionskosten des Events. Fans zahlen für die 104 Spiele im Schnitt rund 600 Dollar pro Karte – etwa doppelt so viel wie bei der WM 2018 in Russland. Dennoch sind viele Spiele bereits ausverkauft, und auf dem Zweitmarkt werden teilweise Aufschläge von 200 Prozent verlangt.
Sportlich bietet die WM 2026 einige Besonderheiten. Zum ersten Mal wird das Turnier von drei Ländern gemeinsam ausgerichtet. Die USA sind bereits 1994 Gastgeber gewesen, Mexiko 1970 und 1986. Für Kanada ist es die erste WM der Männer. Die Spiele finden in 16 Stadien statt, darunter bekannte Arenen wie das MetLife Stadium in New York, der AT&T Stadium in Dallas oder das Estadio Azteca in Mexiko-Stadt.
Ein besonderer Reiz des Turniers ist der mögliche letzte Auftritt zweier Fußballlegenden. Der 40-jährige Cristiano Ronaldo und der 38-jährige Lionel Messi könnten noch einmal auf einer großen Bühne spielen. Ronaldo verdient bei seinem Klub in Saudi-Arabien schätzungsweise 200 Millionen Dollar pro Jahr plus 60 Millionen aus Werbeverträgen. Messi, der in den USA spielt, kommt auf 60 Millionen Dollar Jahresgehalt und 70 Millionen aus Sponsoring. Beide haben eine beeindruckende Karriere hinter sich: Ronaldo ist mit fünf Ballon d'Or-Auszeichnungen und über 800 Toren einer der erfolgreichsten Stürmer der Geschichte. Messi hält den Rekord für die meisten Ballon d'Or-Titel (acht) und führte Argentinien 2022 zum WM-Titel. Ihre Teilnahme in den USA, Kanada und Mexiko würde dem Turnier zusätzliches Medieninteresse bescheren.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der WM beschränken sich nicht nur auf die Einnahmen der Fifa. Auch die Gastgeberländer profitieren von gesteigerten Tourismuseinnahmen, Investitionen in Infrastruktur und globaler Aufmerksamkeit. Schätzungen zufolge sollen während des Turniers mehrere Millionen Besucher in die drei Länder reisen. Hotels, Restaurants und lokale Dienstleister rechnen mit Rekordumsätzen.
Kritik an den hohen Ticketpreisen und den kommerziellen Aspekten des Turniers bleibt nicht aus. Verbraucherschützer bemängeln, dass die Fifa die Fan-Interessen vernachlässige. Auch Umweltorganisationen verweisen auf den CO2-Fußabdruck eines solchen Megaevents, insbesondere durch die weiten Reisen der Fans und Mannschaften. Die Fifa hat angekündigt, bei der WM 2026 erstmals umfassende Nachhaltigkeitsmaßnahmen umzusetzen, darunter Kompensationsprogramme und die Nutzung erneuerbarer Energien in den Stadien. Ob diese Maßnahmen ausreichen, bleibt abzuwarten.
Die Zukunft der WM ist ebenfalls Gegenstand von Diskussionen. Saudi-Arabien hat sich bereits die Ausrichtung der WM 2034 gesichert und plant den Bau gigantischer Stadien, darunter ein unterirdisches Stadion in Neom. Die Kosten dürften die der WM 2022 in Katar noch übertreffen. Die Fifa erwägt zudem eine weitere Aufstockung auf 64 Teams für die WM 2030, was die Einnahmen noch einmal steigern könnte.
Zusammenfassend zeigt sich, dass die Fußball-WM 2026 ein finanzielles und organisatorisches Mammutprojekt ist, das alle bisherigen Maßstäbe sprengt. Mit Rekordumsätzen, Rekordticketpreisen und einer beispiellosen Anzahl an Spielen setzt die Fifa neue Standards im Sportbusiness. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Begeisterung der Fans die hohen Kosten rechtfertigt und ob das Turnier die in es gesetzten Erwartungen erfüllen kann. Eines ist sicher: Die WM 2026 wird das Gesicht des internationalen Fußballs nachhaltig prägen.
Source: Business Insider News