Hintergrund der Eskalation
Der Kremlchef Wladimir Putin hat die kurze Atempause im Ukraine-Krieg abrupt beendet. Nach einer Woche relativer Ruhe, die von einer von US-Präsident Donald Trump vermittelten dreitägigen Waffenruhe geprägt war, startete Russland in der Nacht zum heutigen Tag einen Großangriff auf die Ukraine. Die ukrainische Luftwaffe meldet den Abschuss von mehr als 1500 Drohnen und Raketen – eine Zahl, die jede bisherige Angriffswelle übertrifft. Besonders betroffen sind Kiew, Charkiw und Odessa. Die Explosionen erschütterten die Hauptstadt stundenlang, die Luftabwehr war im Dauereinsatz. Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht von „Terror“ und kündigt Vergeltung an.
Die Waffenruhe – ein kurzer Hoffnungsschimmer
Der zeitweise Waffenstillstand war Anfang der Woche nach einem Telefonat zwischen Trump und Putin vereinbart worden. Er sollte ursprünglich das orthodoxe Osterfest überbrücken und eine diplomatische Öffnung signalisieren. Tatsächlich hatten beide Seiten ihre Kampfhandlungen reduziert. In den sozialen Medien kursierten Bilder von Ukrainern, die erstmals seit Monaten wieder in Parks spazieren gingen. Doch die Hoffnung währte nur kurz. Bereits am zweiten Tag der Waffenruhe gab es Berichte über lokale Gefechte. Putin warf der Ukraine vor, die Feuerpause zu missbrauchen, um Truppen zu verlegen. Selenskyj konterte mit dem Vorwurf, Russland habe die Ruhe genutzt, um neue Raketenstellungen aufzubauen. Die jetzige Offensive zeigt, dass der Kreml kein Interesse an einer längerfristigen Deeskalation hat.
Die militärische Dimension
Der Angriff umfasst eine Kombination aus Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen iranischer Bauart. Schwerpunkt sind kritische Infrastrukturen: Stromnetze, Wasserwerke, Eisenbahnknotenpunkte. Nach ukrainischen Angaben wurden in der vergangenen Nacht allein drei Kraftwerke getroffen, darunter ein AKW – die Reaktoren blieben aber unversehrt. Die russische Armee setzt erstmals in großem Stil die neue Hyperschallrakete „Zirkon“ ein, die von S-400-Systemen kaum abzufangen ist. Gleichzeitig attackieren Drohnenschwärme ukrainische Stellungen an der Frontlinie im Donbass. Die ukrainische Führung befürchtet, dass die Angriffe eine neue Bodenoffensive vorbereiten sollen. Experten warnen: Putin will vor dem 9. Mai, dem russischen Tag des Sieges, einen militärischen Erfolg präsentieren.
Reaktionen aus Deutschland und Europa
Bundeskanzler Olaf Scholz verurteilte den Angriff scharf und sprach von einem „Bruch aller Absprachen“. Verteidigungsminister Boris Pistorius, der sich gerade zu Besuch in Kiew aufhält, kündigte eine Vertiefung der Rüstungskooperation an. Deutschland und die Ukraine wollen gemeinsam neue Waffensysteme entwickeln, darunter eine verbesserte Flugabwehrraketen und Aufklärungsdrohnen. Pistorius betonte, die Ukraine brauche nicht nur Defensivwaffen, sondern auch Mittel, um russische Abschussbasen anzugreifen. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte ein neues Sanktionspaket, das gezielt den russischen Rüstungssektor treffen soll. Ungarn unter Viktor Orbán blockierte bisher aber alle weitergehenden Maßnahmen. Auch in der deutschen Bevölkerung wächst der Druck: Mehrere Friedensdemonstrationen fanden statt, die Regierung solle diplomatischer agieren.
Putins strategisches Kalkül
Beobachter sehen mehrere Motive hinter der Eskalation. Zum einen will Putin die Ukraine zu Friedensverhandlungen zwingen, indem er ihre Widerstandsfähigkeit bricht. Zum anderen festigt der Krieg seine Macht nach innen: Die Opposition ist mundtot, die Wirtschaft auf Kriegskurs umgestellt. Der Kreml hofft, dass Europa im zweiten Kriegswinter müde wird und die Unterstützung für Kiew nachlässt. Zudem nutzt Putin die geopolitischen Verwerfungen: Der Iran-Krieg im Nahen Osten bindet die Aufmerksamkeit der USA, Europa ist gespalten. Die russische Propaganda feiert den Angriff als Befreiungsschlag. Staatsnahe Medien sprechen von der „Entnazifizierung der Ukraine“ und zeigen Bilder zerstörter Militäranlagen. Die Unabhängigkeit der Berichterstattung ist längst abgeschafft, viele Journalisten sitzen im Exil.
Humanitäre Lage
Die Zivilbevölkerung leidet erneut massiv unter den Angriffen. Nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes kamen in der Nacht mindestens 18 Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. In Kiew mussten die U-Bahnhöfe als Schutzbunker dienen. Die Stromausfälle betreffen mehrere Millionen Menschen. Die Temperaturen sind im April noch kühl, viele Familien haben weder Heizung noch fließend Wasser. Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz fordern eine sofortige Feuerpause, um humanitäre Korridore zu öffnen. Die UNO hat eine Dringlichkeitssitzung einberufen, jedoch blockiert Russland als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat jede Resolution. Derweil suchen viele Ukrainer Schutz in den westlichen Landesteilen, die noch relativ sicher sind. Allein aus Kiew sollen laut Behörden 100.000 Menschen geflohen sein.
Wirtschaftliche Folgen
Die neue Angriffswelle hat auch unmittelbare wirtschaftliche Konsequenzen. Die ukrainische Notenbank warnte vor einem weiteren Rückgang der Industrieproduktion um 15 Prozent. Die landwirtschaftlichen Betriebe im Osten können ihre Felder nicht mehr bestellen – die nächste Ernte ist gefährdet. Deutschland will gegensteuern: Wirtschaftsminister Robert Habeck kündigte ein Investitionsprogramm von 500 Millionen Euro an, das vor allem in die Energieinfrastruktur fließen soll. Gleichzeitig steigen die Energiepreise in Europa erneut. Die EU-Staaten erwägen, die Ölsoberreise für russisches Rohöl zu senken, um den Druck zu erhöhen. Doch Putin setzt auf chinesische und indische Abnehmer, die die Sanktionen umgehen. Der Rubel ist stabil, die russische Wirtschaft zeigt sich trotz Inflation und Kapitalflucht erstaunlich widerstandsfähig. Experten führen dies auf die hohen Ölpreise und die staatliche Kriegsproduktion zurück.
Ausblick
Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Ukraine den Angriffen standhalten kann. Selenskyj hat bereits um weitere Waffenlieferungen aus dem Westen gebeten – insbesondere Kampfjets des Typs F-16, die den Luftkampf verändern könnten. Die USA liefern zwar Patriot-Systeme, doch deren Zahl reicht nicht aus. Die russische Armee bereitet offenbar eine Großoffensive vor, die parallel zum Tag des Sieges beginnen soll. Putin braucht einen Sieg, um seine Stellung zu festigen. Die Ukraine hingegen hofft auf eine Gegenoffensive im Sommer, wenn die westlichen Waffen eingetroffen sind. Die Diplomatie liegt auf Eis: Ein Treffen zwischen Putin und Selenskyj gilt als unwahrscheinlich. Der Krieg ist in eine neue, noch brutalere Phase eingetreten.
Source: Handelsblatt News