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Huthis / Saudi-Arabien: Mohammed bin Salman pendelt offenbar zwischen schwer befestigten Palästen mit Bunkern

Oct 21, 2026  Twila Rosenbaum  6 views
Huthis / Saudi-Arabien: Mohammed bin Salman pendelt offenbar zwischen schwer befestigten Palästen mit Bunkern

Die wichtigsten Fakten

  • Kronprinz Mohammed bin Salman wurde vergangene Woche Dienstag letztmals öffentlich gesehen, bei einer Blutspende.
  • Der De-facto-Machthaber soll zwischen schwer bewachten Palästen mit Bunkern pendeln und wird von einem handverlesenen Sicherheitsteam begleitet.
  • Ein Huthi-Angriff auf den internationalen Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad forderte zwölf Tote.
  • Weitere Angriffe trafen den King Fahd Airport in Dammam und den King Khalid Airport, es gab Schäden und Verletzte.
  • Die Huthis reklamieren vier Angriffe allein am Sonntag für sich: mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen auf zwei Flughäfen, eine Gasanlage und eine Aramco-Raffinerie.
  • Saudi-Arabien soll mehr als 120 Luftangriffe auf Sanaa und weitere Provinzen geflogen haben; die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.
  • Die Huthis erklären saudi-arabische Flughäfen und den Luftraum zu legitimen Zielen, ausgenommen Mekka und Medina.
  • Die R4-Gruppe aus Türkei, Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien verurteilt die Angriffe als eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht.

Die Angriffe der Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien haben eine neue Dimension erreicht. Nach dem tödlichen Angriff auf den internationalen Flughafen der Hauptstadt Riad setzte die Miliz ihre Attacken fort. Nach Angaben der saudi-arabischen Luftfahrtbehörde wurde am Sonntagabend der King Fahd Airport in Dammam getroffen, es entstanden Schäden. Zudem habe es einen neuen Angriff auf den Flughafen King Khalid gegeben, erneut mit Verletzten. Die Huthis erklärten, sie hätten allein am Sonntag vier Angriffe in Saudi-Arabien ausgeführt – mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Ziele waren demnach neben den beiden Flughäfen eine Gasanlage sowie eine Ölraffinerie des staatlichen Ölkonzerns Aramco. Die Miliz behauptete zugleich, Saudi-Arabien habe in dem Zeitraum mehr als 120 Luftangriffe auf die Hauptstadt Sanaa und weitere Provinzen geflogen. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Im Zentrum der Sicherheitsvorkehrungen steht Kronprinz Mohammed bin Salman. Der mächtige De-facto-Machthaber und künftige König wurde vergangene Woche Dienstag letztmals öffentlich gesehen – bei einer Blutspende. Seither soll er zwischen schwer bewachten Palästen des riesigen Wüstenkönigreichs pendeln, die über Bunker verfügen sollen. Begleitet wird er wohl von einem handverlesenen Sicherheitsteam. Die Vorsichtsmaßnahmen unterstreichen, wie ernst die saudi-arabische Führung die Bedrohung durch die Huthi-Miliz nimmt. Denn die Angriffe treffen nicht nur Flughäfen und Energieanlagen, sondern auch das Sicherheitsgefühl der politischen Spitze.

Die Huthis, die weite Gebiete im Nordjemen kontrollieren, hatten zuvor mit neuen Attacken gedroht. Saudi-arabische Flughäfen und der saudi-arabische Luftraum seien „legitime Ziele“, erklärte die Miliz – mit Ausnahme der für Muslime heiligen Stätten Mekka und Medina. Diese Drohung ist bemerkenswert, weil sie die Grenze zwischen militärischen und zivilen Zielen bewusst verschiebt. Flughäfen sind für Saudi-Arabien nicht nur Verkehrsknotenpunkte, sondern auch Symbole der wirtschaftlichen Öffnung und der Vision 2030. Treffer an solchen Orten haben deshalb eine starke psychologische und politische Wirkung.

Die verbündeten Staaten der sogenannten R4-Gruppe – Türkei, Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien – verurteilten die Angriffe der Huthi-Miliz gemeinsam als „eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht“. Es handele sich um eine „gefährliche Eskalation“, die unter keinem Vorwand gerechtfertigt oder hingenommen werden könne. Die Erklärung signalisiert, dass Saudi-Arabien versucht, den Konflikt nicht nur militärisch, sondern auch diplomatisch zu rahmen. Die Einbindung mehrerer regionaler und muslimischer Staaten soll die Huthis isolieren und die eigene Position als Verteidiger von Stabilität und heiligen Stätten stärken.

Hintergrund: Mehr als zehn Jahre Krieg im Jemen

Saudi-Arabien kämpft mit Verbündeten seit mehr als zehn Jahren im Jemen gegen die schiitischen Rebellen, die von Iran unterstützt werden. Dieser Bürgerkrieg, bei dem von Hunderttausenden Toten durch direkte und indirekte Kriegsfolgen ausgegangen wird, ist im Zuge des Irankriegs neu entflammt. Die humanitäre Lage im Jemen ist seit Jahren katastrophal. Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, die Wirtschaft ist zerstört, und die Frontlinien haben sich über die Jahre verfestigt. Die Huthis haben aus ihrer Sicht einen asymmetrischen Krieg gegen die saudi-arabisch geführte Koalition geführt, der mit Drohnen, Raketen und Angriffen auf Infrastruktur immer wieder über die Grenzen hinauswirkte.

Für Saudi-Arabien ist der Jemen ein strategisches Problem an der eigenen Südgrenze. Die Führung in Riad will verhindern, dass die Huthis zu einer dauerhaften militärischen Bedrohung werden und Iran seinen Einfluss über die Grenze hinaus ausweitet. Zugleich zeigt der Konflikt die Grenzen militärischer Lösungen: Trotz jahrelanger Luftschläge und Unterstützung für lokale Verbündete konnte die Miliz nicht entscheidend geschwächt werden. Die jüngsten Angriffe auf Flughäfen und Energieanlagen deuten darauf hin, dass die Huthis weiterhin über relevante Fähigkeiten verfügen – und bereit sind, diese demonstrativ einzusetzen.

Wirtschaftliche und regionale Folgen

Die Angriffe treffen Saudi-Arabien in einer sensiblen Phase. Das Königreich versucht, seine Wirtschaft stärker zu diversifizieren und ausländische Investitionen, Tourismus sowie neue Technologien anzuziehen. Flughäfen sind dabei zentrale Infrastruktur: Sie verbinden das Land mit der Welt und sind Teil des Images einer modernen, offenen Wirtschaft. Wenn Angriffe auf genau diese Orte gelingen, entsteht nicht nur materieller Schaden. Es entsteht auch der Eindruck, dass die Sicherheitsgarantien des Staates Lücken haben. Für ausländische Unternehmen und Reisende kann das abschreckend wirken.

Besonders heikel sind Angriffe auf Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco. Saudi-Arabien ist einer der größten Ölproduzenten der Welt, und Störungen an Raffinerien oder Gasanlagen können die Märkte und die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen. Schon frühere Angriffe auf saudi-arabische Energieinfrastruktur hatten gezeigt, wie verwundbar scheinbar gut geschützte Anlagen sein können. Die Huthis nutzen diese Wirkung gezielt: Sie wollen nicht nur militärische Ziele treffen, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität und das internationale Ansehen Saudi-Arabiens beschädigen.

Die Region insgesamt bleibt angespannt. Der Konflikt im Jemen ist mit anderen Konfrontationslinien verwoben, insbesondere mit dem Gegensatz zwischen Saudi-Arabien und Iran. Die USA – einer der wichtigsten Verbündeten Saudi-Arabiens – könnten wie schon 2024 und 2025 neue Militärschläge im Jemen beginnen. Eine solche Ausweitung birgt das Risiko, dass sich die Gewalt weiter aufschaukelt und die ohnehin fragilen diplomatischen Kanäle weiter schrumpfen. Für die Huthis wiederum sind Angriffe auf Saudi-Arabien ein Mittel, um Stärke zu demonstrieren und sich als unverzichtbarer Akteur in der Region zu präsentieren.

Die Sicherheitsvorkehrungen um Mohammed bin Salman sind in diesem Kontext mehr als ein Detail. Sie zeigen, dass die Führung des Landes die Bedrohung durch die Huthis als unmittelbar und potenziell personenbezogen betrachtet. Der Kronprinz ist die zentrale Figur der saudi-arabischen Politik. Er kontrolliert wesentliche Entscheidungen in Wirtschaft, Sicherheit und Außenpolitik. Seine Sicherheit ist deshalb auch eine Frage der staatlichen Stabilität. Dass er zwischen befestigten Palästen mit Bunkern pendeln soll, verweist auf ein Sicherheitsdenken, das in Krisenzeiten auf maximale Abschirmung setzt.

Gleichzeitig bleibt die Informationslage unklar. Viele Angaben stammen aus Erklärungen der Konfliktparteien oder aus Medienberichten, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen. Das gilt für die Zahl der Opfer, die Schäden an Flughäfen und Energieanlagen sowie für die Zahl der Luftangriffe. In einem Konflikt, in dem Propaganda und Abschreckung eine große Rolle spielen, sind solche Unsicherheiten Teil des Geschehens. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.


Source: Spiegel News


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