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Gérard Depardieu

Jul 15, 2026  Twila Rosenbaum  5 views
Gérard Depardieu

Gérard Depardieu, das französische Schauspielschwergewicht und passionierte Winzer, wurde am 27. Dezember 1948 als Gérard Xavier Marcel Depardieu in Châteauroux, Frankreich, geboren. Sein Aufstieg vom Straßenjungen zum weltweit gefeierten Künstler ist eine Geschichte voller Brüche, Leidenschaft und herausragender Leistungen. In einer mehr als 50-jährigen Karriere hat Depardieu in weit über 200 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt und sich als einer der wandlungsfähigsten Darsteller seiner Generation etabliert.

Bevor er die Schauspielerei für sich entdeckte, verbrachte Depardieu seine Jugend vornehmlich auf der Straße. Im Alter von 13 Jahren verließ er die Schule ohne Abschluss. Drei Jahre später, 1964, ging er nach Paris, um unter Jean-Laurent Cochet Schauspiel im klassischen Theater – die sogenannte „Comédie“ – zu studieren. Diese harte Schule legte das Fundament für seine spätere Virtuosität. Cochet, ein renommierter Theaterpädagoge, erkannte früh das immense Talent des jungen Mannes, der zunächst durch seine physische Präsenz und unkonventionelle Art auffiel.

Der Durchbruch mit Blier und der internationale Erfolg

Der endgültige Durchbruch gelang Depardieu mit dem Skandalerfolg „Die Ausgebufften“ (Les Valseuses) von Bertrand Blier aus dem Jahr 1974. Der Film, der mit seiner rohen Darstellung von Sexualität und Gewalt provozierte, katapultierte den jungen Schauspieler schlagartig in die erste Reihe des französischen Kinos. Die Zusammenarbeit mit Blier erwies sich als überaus fruchtbar: Insgesamt drehten sie acht Filme, darunter „Frau zu verschenken“ (Préparez vos mouchoirs, 1978), der mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Blier verstand es wie kein anderer, Depardieus explosive Mischung aus Verletzlichkeit und Kraft einzufangen.

In den folgenden Jahren arbeitete Depardieu mit einigen der angesehensten italienischen Regisseuren zusammen. Mario Monicelli besetzte ihn in „Caro Michele“, Bernardo Bertolucci in dem epischen „1900 – 1. Teil: Gewalt, Macht, Leidenschaft“ (Novecento, 1976), und Marco Ferreri in „La chiesa“. Diese internationalen Projekte festigten seinen Ruf als Charakterdarsteller, der mühelos zwischen komödiantischen und dramatischen Rollen wechseln konnte.

Die Zusammenarbeit mit den Größen des französischen Kinos

Auch die großen französischen Regisseure verpflichteten den charismatischen „Oger“ – so nennt ihn die nicht autorisierte Biographie von Calmann-Lévy – immer wieder für ihre Filme. François Truffaut besetzte Depardieu als leidenschaftlichen Liebhaber in zwei seiner Meisterwerke: „Die letzte Metro“ (Le Dernier Métro, 1980) und „Die Frau nebenan“ (La Femme d‘à côté, 1981). In „Die letzte Metro“ spielte er an der Seite von Catherine Deneuve einen jüdischen Theaterdirektor, der während der deutschen Besatzung versteckt lebt. Für diese Rolle erhielt er seinen ersten César als bester Hauptdarsteller. Alain Resnais besetzte ihn in dem von der Kritik gefeierten „Mein Onkel aus Amerika“ (Mon oncle d‘Amérique, 1980), einem philosophischen Essayfilm, der Depardieus darstellerische Bandbreite weiter unterstrich. Claude Sautet gab ihm eine frühe wichtige Rolle neben Michel Piccoli und Serge Reggiani in „Vincent, François, Paul und die anderen“ (1974).

Ein besonderes Kapitel in Depardieus Karriere ist seine Zusammenarbeit mit dem Komödienregisseur Francis Veber. Gemeinsam produzierten sie eine Reihe intelligenter, charmant funkelnder Komödien: „Der Killer und die Nervensäge“ (Le Complot du loup, 1985), „Das Bankentrio“ (Les Compères, 1983), „Ruby & Quentin – Der Killer und die Klette“ (Tais-toi!, 2003), „In flagranti“ (Garde à vue, 1981) und „Ein Mann sieht rosa“ (Le Placard, 2001). Veber verstand es, Depardieus Talent für Slapstick und emotionale Momente gleichermaßen zu nutzen.

Hollywood und die späten Erfolge

Depardieu wagte auch den Sprung nach Hollywood. Peter Weirs charmante Immigrationskomödie „Green Card – Scheinehe mit Hindernissen“ (1990) brachte ihm eine Oscar-Nominierung für den besten Hauptdarsteller ein. Der Film zeigte Depardieu als sensiblen, etwas tollpatschigen Franzosen, der sich in New York ein neues Leben aufbaut. Es folgten ambitionierte Projekte: Ridley Scotts finanzieller Misserfolg „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ (1992), in dem er Christoph Kolumbus spielte, und Randall Scotts Mantel-und-Degen-Film „Der Mann in der eisernen Maske“ (1998). Weniger erfolgreich war das Science-Fiction-Abenteuer „Babylon A.D.“ und der ambitionierte Anime „Persepolis“, bei dem er nur die englische Synchronisation sprach. Zu den späteren Höhepunkten zählt sein Auftritt in Ang Lees „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ (2012), wo er den erwachsenen Pi Patel verkörperte.

Die Verkörperung des Obelix

Jüngere Zuschauer kennen Depardieu vor allem als Realfilmverkörperung von Obelix, dem berühmtesten Dickwanst der Comicgeschichte. In den beiden Asterix-Filmen „Asterix & Obelix gegen Caesar“ (1999) und „Asterix & Obelix: Mission Kleopatra“ (2002) spielte er an der Seite von Christian Clavier. Seine physische Präsenz und sein komödiantisches Timing machten ihn zur idealen Besetzung. Obwohl die Filme kritisch nur mäßig aufgenommen wurden, sind sie bis heute Publikumserfolge. Depardieu selbst äußerte sich mehrfach liebevoll über die Rolle, die ihm eine ganz neue Fangeneration bescherte.

Auszeichnungen und Ehrungen

Im Laufe seiner Karriere wurde Depardieu mit zwei Césars ausgezeichnet. Den ersten gewann er 1981 für „Die letzte Metro“, den zweiten 1991 für seine donnernde Verkörperung des Cyrano von Bergerac in Jean-Paul Rappeneaus gleichnamigem Film. Für Cyrano wurde Depardieu auch für den Oscar nominiert und gewann den Darstellerpreis bei den Filmfestspielen in Cannes. In seinem Heimatland wurde er in Anbetracht seiner langen Karriere mit der hohen Auszeichnung des Chevalier de la Légion d‘Honneur bedacht. 2006 erhielt er den Ehrencésar für sein Lebenswerk. Trotz dieser höchst offiziellen Anerkennung blieb Depardieu stets ein Rebell, der öffentlich immer wieder aneckt.

Privatleben und Skandale

Der Bonvivant und Genießer besitzt nicht nur diverse Restaurants, sondern auch mehrere Weingüter in Frankreich. Er war einmal verheiratet – mit Elisabeth Depardieu – und hat aus dieser Ehe zwei Kinder, Guillaume und Julie Depardieu, die beide Schauspieler geworden sind. Guillaume Depardieu, der früh durch Drogenprobleme und Knieamputation bekannt wurde, verstarb 2008 im Alter von 37 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Julie Depardieu hat sich eine respektable Karriere aufgebaut. Depardieu selbst hat auch weitere Kinder, darunter Roxane und Jean Depardieu.

Der Künstler hat schon den einen oder anderen Skandal hinter sich: 1990 wurde er wegen Alkohols am Steuer zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. 2008 machte der streitbare Franzose durch extrem abfällige Kommentare über Juliette Binoches Schauspielfähigkeiten auf sich aufmerksam. Über derartige Ausfälle zeigten sich nicht nur Presse und die französische Öffentlichkeit überrascht und schockiert, sondern auch Kollegen wie Catherine Deneuve. In den letzten Jahren geriet Depardieu zudem wegen mehrerer Vergewaltigungsvorwürfe in die Schlagzeilen. Die Vorwürfe, die er stets bestritt, haben zu einem Imageschaden geführt, der seine späte Karriere überschattet. Dennoch bleibt sein künstlerisches Vermächtnis unbestritten.

Gerard Depardieu hat im Laufe der Jahrzehnte zeitlose Charaktere geschaffen, die das Kino bereichern. Seine Wandlungsfähigkeit – vom brutalen Straßenjungen über den verliebten Träumer bis hin zum tragischen Helden – sucht ihresgleichen. Ob in Kostümfilmen, Komödien oder anspruchsvollen Dramen, Depardieu hinterlässt stets einen unvergesslichen Eindruck. Seine Energie und sein künstlerischer Mut haben das französische Kino nachhaltig geprägt. Die Filmgeschichte wird ihn als einen der größten Charakterdarsteller des 20. und 21. Jahrhunderts in Erinnerung behalten, auch wenn die Kontroversen seiner letzten Jahre einen Schatten auf das strahlende Bild werfen. Seine filmischen Leistungen in über 200 Produktionen – von den frühen Experimenten mit Bertrand Blier bis zu den internationalen Blockbustern – machen ihn zu einer unverwechselbaren Stimme im Welttheater des Kinos.


Source: moviepilot.de News


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