Der Tod von Pop Smoke schockiert die Musikwelt. Am 19. Februar 2020 wurde der 20-jährige Rapper in seinem gemieteten Haus in den Hollywood Hills erschossen. Was zunächst wie ein Raubüberfall aussah, entpuppt sich laut US-Medienberichten als gezielte Tat. Die Hintergründe werfen viele Fragen auf.
Der Tatablauf
Laut Überwachungsvideos, die dem Portal TMZ vorliegen, näherten sich vier maskierte Männer dem Anwesen gegen 4:30 Uhr morgens. Drei von ihnen gingen zur Vorderseite, während der vierte durch eine unverschlossene Hintertür in das Haus eindrang. Kurz darauf fielen Schüsse. Pop Smoke, der im ersten Stock schlief, wurde mehrfach in die Brust getroffen. Der Rapper wurde noch in ein Krankenhaus gebracht, starb jedoch kurz nach der Einlieferung. Die Täter flohen ohne Beute – nichts wurde entwendet, obwohl teure Gegenstände und Bargeld sichtbar herumlagen.
Ermittler gehen deshalb von einem gezielten Mord aus. Die Hintergründe sind noch unklar, doch es gibt Hinweise auf ein persönliches Motiv. Pop Smoke, mit bürgerlichem Namen Bashar Barakah Jackson, war in den Monaten zuvor rapide aufgestiegen. Sein aggressiver Drill-Sound aus Brooklyn hatte ihm eine wachsende Fangemeinde eingebracht. Er galt als einer der vielversprechendsten Newcomer der New Yorker Hip-Hop-Szene.
Pop Smokes Aufstieg
Der Rapper wurde am 20. Juli 1999 in Brooklyn, New York, geboren. Schon als Teenager geriet er mit dem Gesetz in Konflikt, doch seine Musik verschaffte ihm einen Ausweg. 2019 erschien seine Debütsingle „Welcome to the Party“, die sofort ein Hit wurde. Der Song, produziert von 808Melo, vereinte Elemente des britischen Drill mit der rauen Energie der New Yorker Straßen. Es folgten Tracks wie „Dior“ und „War“, die auf Soundcloud und Spotify millionenfach gestreamt wurden.
Sein erstes Mixtape „Meet the Woo“ erschien im Juli 2019 und wurde von Kritikern gefeiert. Pop Smoke schaffte den Spagat zwischen Underground-Credibility und kommerziellem Erfolg. Er arbeitete mit Größen wie Travis Scott, Quavo und Nicki Minaj zusammen. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete er an seinem Debütalbum „Shoot for the Stars, Aim for the Moon“, das posthum veröffentlicht wurde.
Die Reaktionen der Kollegen
Die Nachricht von Pop Smokes Tod verbreitete sich rasend schnell und löste eine Welle der Trauer aus. Nicki Minaj, die mit ihm den Song „Shake the Room“ aufgenommen hatte, postete auf Instagram einen Bibelvers: „Die Bibel sagt uns, dass Eifersucht so grausam ist wie das Grab. Unglaublich.“ 50 Cent, der Mentor einiger junger Rapper, schrieb: „Kein Erfolg ohne Neid, Verrat kommt von denen, die einem nahestehen. Ruhe in Frieden.“ Auch Travis Scott, Drake und Dua Lipa zollten dem Verstorbenen Tribut.
Viele Kollegen spekulierten öffentlich über das Mordmotiv. Immer wieder fielen die Begriffe Neid und Eifersucht. Pop Smoke hatte kurz vor seinem Tod auf Instagram ein Bild gepostet, das einen Freund mit einem dicken Bündel Bargeld zeigte, sowie ein weiteres Bild, das seine Privatadresse verriet. Die Polizei bestätigte, dass die Täter diese Adresse genutzt haben könnten, um das Haus zu lokalisieren.
Die Verbindungen zur Unterwelt
Pop Smoke war nicht nur wegen seiner Musik bekannt, sondern auch wegen seiner Verbindungen zu Street-Gangs. Sein Heimatstadtteil Canarsie in Brooklyn war Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen. Der Rapper selbst war mehrfach in Gewalttaten verwickelt, unter anderem soll er 2019 in einen Raubüberfall in Los Angeles verwickelt gewesen sein. Sein plötzlicher Aufstieg brachte ihm nicht nur Fans, sondern auch Feinde ein.
Ermittler halten es für möglich, dass der Mord mit Bandenkriminalität zusammenhängt. Die Täter wussten genau, wann Pop Smoke zu Hause war und wie sie ins Haus gelangen konnten. Zudem hinterließen sie keine Fingerabdrücke und trugen Handschuhe. All dies deutet auf eine professionelle Tat hin. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, bisher jedoch ohne Erfolg.
Die Rolle der sozialen Medien
Ein weiterer Aspekt des Falls ist die Frage, ob Pop Smoke durch sein eigenes Verhalten im Internet die Täter auf sich aufmerksam machte. Er teilte regelmäßig Fotos und Videos von luxuriösen Gegenständen, Bargeld und Schmuck. Am Tattag postete er ein Bild mit einem Paket von US-Dollar-Scheinen. Solche Posts können Einbrecher anlocken, die dann über die Geotags die Adresse herausfinden.
Dennoch sprechen die Details der Tat gegen einen gewöhnlichen Raubüberfall. Die Täter nahmen nichts mit, obwohl sie dazu Gelegenheit gehabt hätten. Stattdessen zielten sie gezielt auf den Rapper. Laut TMZ war Pop Smoke die einzige Person, die im Haus verletzt wurde, obwohl mehrere Gäste anwesend waren. Die Schüsse trafen ausschließlich ihn. Das spricht für ein persönliches Motiv.
Auswirkungen auf die Hip-Hop-Kultur
Der Tod von Pop Smoke ist nur der jüngste in einer langen Reihe von Gewalttaten gegen junge Rapper. Erst wenige Monate zuvor war der Rapper XXXTentacion in Florida ermordet worden. 2018 starb Mac Miller an einer Überdosis, 2017 wurde Lil Peep tot aufgefunden. Die Hip-Hop-Szene reagiert immer wieder mit Bestürzung, doch die zugrundeliegenden Probleme – Armut, Bandenkriminalität, Drogen – bleiben bestehen.
Pop Smokes Tod hat auch eine Debatte über die Sicherheitsmaßnahmen von Rappern ausgelöst. Viele Prominente haben inzwischen private Sicherheitsdienste engagiert, doch die Gefahr bleibt. Der raue Lifestyle, der in den Songs besungen wird, verschwimmt mit der Realität. Pop Smoke selbst hatte erst kurz vor seinem Tod einen Sicherheitsdienst engagiert, der jedoch in der Tatnacht nicht anwesend war.
Sein posthumes Album „Shoot for the Stars, Aim for the Moon“ wurde im Juli 2020 veröffentlicht und wurde ein weltweiter Erfolg. Der Song „What You Know Bout Love“ und „The Woo“ mit 50 Cent und Roddy Ricch wurden zu Hits. Die Platte debütierte auf Platz 1 der US-Charts. Viele Kritiker betonen, dass Pop Smoke trotz seines jungen Alters ein enormes Talent und eine einzigartige Stimme hatte, die noch lange nachhallen wird.
Die Frage nach dem Warum bleibt jedoch ungeklärt. Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Hinweise, doch bisher gibt es keine konkreten Verdächtigen. Die Familie des Rappers hat eine Belohnung von 100.000 US-Dollar ausgesetzt. In den sozialen Medien kursieren diverse Theorien, doch die Wahrheit wird wohl nur schwer zu ermitteln sein. Der Tod des Rappers ist ein weiterer tragischer Fall in der Geschichte der Rap-Musik, in der allzu oft die Grenzen zwischen Kunst und Leben auf schmerzhafte Weise verschwimmen.
Source: stern.de News