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US-Unternehmer: Peter Thiel soll Preis von Axel Springer erhalten

Jul 18, 2026  Twila Rosenbaum  5 views
US-Unternehmer: Peter Thiel soll Preis von Axel Springer erhalten

Der US-amerikanische Milliardär und Unternehmer Peter Thiel soll mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet werden. Das gab das Medienhaus Axel Springer am Donnerstag bekannt. Die Ehrung ist für den 24. September in Berlin geplant, wo Thiel persönlich den Preis entgegennehmen will. Mit dem nicht dotierten Award würdigt das Verlagshaus Persönlichkeiten, die „in außergewöhnlicher Weise neue Märkte geschaffen, bestehende Märkte verändert und die technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit nachhaltig geprägt haben“, wie es in einer Mitteilung hieß.

Der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, Mathias Döpfner, begründete die Entscheidung damit, dass Thiel zu den seltenen Unternehmern gehöre, die nicht nur Firmen gründeten oder finanzierten, sondern die Richtung technologischer Entwicklung mitbestimmten. „Seine Fähigkeit, langfristig zu denken, gegen den Konsens zu argumentieren und konsequent auf Innovation zu setzen, hat Generationen von Gründern inspiriert“, erklärte Döpfner. Thiel sei ein Vordenker, der den Mut habe, unpopuläre Meinungen zu vertreten und damit Diskurse voranzutreiben.

Wer ist Peter Thiel?

Peter Andreas Thiel wurde am 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main geboren. Seine Familie wanderte in seine frühen Kindheit in die USA aus. Er wuchs in Foster City, Kalifornien, auf und studierte Philosophie an der Stanford University, wo er auch seinen Juris Doctor erwarb. Nach dem Studium arbeitete er als Rechtsanwalt, bevor er sich der Finanzwelt zuwandte und als Derivatehändler bei Credit Suisse tätig war. Den Durchbruch in der Tech-Branche erzielte Thiel 1998 als Mitgründer des Online-Bezahldienstes PayPal, der 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an eBay verkauft wurde. Diese Transaktion machte Thiel zum Multimillionär und legte den Grundstein für sein späteres Vermögen.

Nach dem Verkauf von PayPal gründete Thiel den Hedgefonds Clarium Capital und investierte unter anderem früh in soziale Netzwerke. Besonders bekannt wurde sein Investment von 500.000 US-Dollar in Facebook im Jahr 2004, das sich später zu einem Anteil im Wert von mehreren Milliarden Dollar entwickelte. Thiel wurde einer der ersten externen Investoren des Unternehmens und saß zeitweise im Aufsichtsrat. Diese Investition machte ihn zu einer schillernden Figur in der Start-up-Szene.

Gemeinsam mit Alex Karp gründete Thiel 2003 das Softwareunternehmen Palantir Technologies, das sich auf Datenanalyse für Geheimdienste, Militär und Polizei spezialisiert hat. Palantir ist bekannt für seine umstrittenen Produkte wie Gotham, die von der US-Regierung unter anderem für die Bekämpfung von Terrorismus und die Überwachung von Migranten eingesetzt werden. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Denver, Colorado, und wurde 2020 an der New Yorker Börse notiert. Der Börsengang brachte Thiel ein Vermögen von mehr als 4 Milliarden Dollar ein.

Politische und gesellschaftliche Positionen

Thiel vertritt radikal libertäre und rechtskonservative Ansichten. Er ist überzeugter Anhänger der freien Marktwirtschaft und lehnt staatliche Eingriffe weitgehend ab. In seinem 2014 erschienenen Buch „Zero to One“ plädiert er für monopolistische Marktpositionen als Motor für Innovation. Er kritisierte die Universität Stanford als zu linksliberal und spendete Millionen an konservative Thinktanks und Politiker. Besonders kontrovers ist seine Nähe zu Donald Trump. Thiel war einer der wenigen Tech-Unternehmer, die Trump 2016 öffentlich unterstützten, und hielt eine Rede auf dem Republican National Convention. Nach Trumps Sieg gehörte Thiel dem Übergangsteam an und beriet den Präsidenten in Technologiefragen.

Neben seinen politischen Aktivitäten sorgte Thiel auch mit religiösen und apokalyptischen Visionen für Aufsehen. In Interviews sprach er offen über seine christlichen Glaubensüberzeugungen und die Idee, dass der Tod als Problem lösbar sei. Er finanzierte Forschungen zur Lebensverlängerung und ließ sich selbst Verfahren zur Blutverjüngung unterziehen. Kritiker werfen ihm vor, eine elitäre, antidemokratische Haltung zu haben und die Macht der Tech-Konzerne zu verherrlichen.

Kontroversen um Palantir

In Deutschland sorgte Palantir immer wieder für Debatten. Das Unternehmen bewarb sich bei der Polizei und Verfassungsschutzbehörden mit seinen Datenanalyseplattformen, die verdächtige Muster in großen Datenmengen erkennen sollen. Datenschützer warnen vor einer Überwachungsinfrastruktur, die gegen Grundrechte verstößt. In mehreren Bundesländern wurden Pilotprojekte gestartet, jedoch auch gestoppt, nachdem Kritik laut wurde. Thiel selbst verteidigte die Software als notwendiges Werkzeug zur Verbrechensbekämpfung und wies die Vorwürfe der Massenüberwachung zurück. Dennoch bleibt der Ruf des Unternehmens in Deutschland angeschlagen.

Die Entscheidung von Axel Springer, Thiel zu ehren, hat daher auch kritische Stimmen hervorgerufen. Journalisten und Politiker fragen sich, ob ein Unternehmer, der mit Sicherheitsbehörden zusammenarbeitet und gleichzeitig libertäre Ideale vertritt, wirklich als Vorbild taugt. Das Verlagshaus betont jedoch, dass der Preis nicht die politischen Ansichten einer Person würdigt, sondern die unternehmerische Leistung und den Einfluss auf technologische Entwicklungen.

Frühere Preisträger

Der Axel Springer Award wird seit 2016 verliehen und ist nach dem Verlagsgründer benannt. Bisherige Preisträger waren unter anderem Facebook-Chef Mark Zuckerberg (2016), Amazon-Gründer Jeff Bezos (2018), Tesla-Chef Elon Musk (2020) und der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee (2017). Auch der Apple-Chef Tim Cook (2022) und der Samsung-Chef Jay Y. Lee (2023) wurden ausgezeichnet. Die Auswahlkriterien betonen die transformative Kraft der Unternehmer, die „durch ihre Visionen und ihr Handeln Märkte und Gesellschaften nachhaltig verändert haben“. Thiel reiht sich damit in eine Liste von Tech-Ikonen ein, die die digitale Welt geprägt haben.

Thiel ist der erste Deutsche, der den Preis erhält. In seiner Dankesrede, die er voraussichtlich auf Deutsch halten wird, dürfte er seine Vision für die Zukunft der Technologie darlegen und vielleicht auch auf aktuelle Kontroversen eingehen. Die Veranstaltung in Berlin wird von hochrangigen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Medien besucht werden. Thiels Anwesenheit in Deutschland hat zudem symbolischen Wert, da er trotz seiner amerikanischen Staatsbürgerschaft immer wieder seine Wurzeln betont.

Insgesamt bleibt Peter Thiel eine der umstrittensten, aber auch einflussreichsten Figuren der Tech-Branche. Seine Auszeichnung durch Axel Springer wird sicherlich weiterhin Diskussionen über die Verbindung von Unternehmertum und politischer Haltung anheizen. Die Branche beobachtet gespannt, ob Thiel seine Plattform nutzen wird, um seine radikalen Ideen zu verbreiten oder ob er die Gelegenheit für eine moderierte Rede nutzt.


Source: DIE ZEIT News


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